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PermakulturPermakultur im GartenGartenplanungSelbstversorgungWaldgartenParadies am Lusen

Permakultur im Garten: ein verständlicher Einstieg

Was steckt hinter Permakultur, und wie fängst du an? Mit einfachen Erklärungen, Beispielen vom Paradies am Lusen und Einblicken in einen Waldgarten.

Von Lisa Haidorf09.01.2023Aktualisiert: 14.10.20269 Min. Lesezeit
Person arbeitet zwischen vielfältigen Gemüsebeeten in einem Folientunnel als Teil eines Permakulturgartens
In diesem Artikel
  1. 01Was ist Permakultur – einfach erklärt?
  2. 02Den Garten kennenlernen, bevor du ihn umbaust
  3. 03Zonen planen: kurze Wege für die tägliche Arbeit
  4. 04Boden, Wasser und Gartenreste sinnvoll nutzen
  5. 05Pflanzen kombinieren: vielfältig, aber nicht wahllos
  6. 06So beginnst du mit deinem eigenen Permakulturgarten
  7. 07Einblicke in den Mienbacher Waldgarten
In diesem Artikel
  1. 01Was ist Permakultur – einfach erklärt?
  2. 02Den Garten kennenlernen, bevor du ihn umbaust
  3. 03Zonen planen: kurze Wege für die tägliche Arbeit
  4. 04Boden, Wasser und Gartenreste sinnvoll nutzen
  5. 05Pflanzen kombinieren: vielfältig, aber nicht wahllos
  6. 06So beginnst du mit deinem eigenen Permakulturgarten
  7. 07Einblicke in den Mienbacher Waldgarten

Kräuterspirale, Hügelbeet, ein Teich und irgendwo noch ein Huhn: Bei Permakultur entsteht schnell das Gefühl, man müsste erst den ganzen Garten umbauen. Dabei beginnt die Sache viel einfacher. Was passiert auf diesem Grundstück eigentlich schon – und wie können wir damit arbeiten?

Auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen hat diese Frage viele Entscheidungen geprägt. Nicht alles lief nach Lehrbuch, und nicht jeder Versuch war ein Volltreffer. Interessant war, wie Boden, Wasser, Pflanzen und die täglichen Handgriffe zusammenpassen. Ein Garten soll schließlich etwas liefern, ohne dass man nur noch hinter ihm herrennt.

Was ist Permakultur – einfach erklärt?

Permakultur ist eine Art zu planen und zu gestalten, bei der du dich an natürlichen Zusammenhängen orientierst. Im Garten betrachtest du nicht nur das einzelne Beet, sondern auch Wasser, Boden, Wege, Pflanzen und Menschen. Ziel ist, dass diese Dinge langfristig sinnvoll zusammenwirken. Der Ansatz geht über Gartenbau hinaus, lässt sich aber schon im kleinen Hausgarten anwenden.

Dahinter stehen drei Grundwerte, oft als die drei Ethiken der Permakultur bezeichnet:

  • Earth Care – für die Erde sorgen: Boden, Wasser und Lebensräume erhalten, statt sie auf Dauer aufzubrauchen.
  • People Care – für Menschen sorgen: Der Garten soll auch zu den Menschen passen, die dort leben und arbeiten.
  • Fair Share – fair teilen: Grenzen beim Verbrauch anerkennen und Überschüsse sinnvoll weitergeben oder zurückführen.

Das heißt weder „alles verwildern lassen“ noch „jeden freien Zentimeter bepflanzen“. Du gestaltest bewusst. Eine Kräuterspirale kann dabei sinnvoll sein, ein schlichter Kräutertopf an der Küchentür aber genauso. Entscheidend ist nicht, was auf dem Foto nach Permakultur aussieht, sondern was an deinem Standort eine Aufgabe erfüllt.

David Holmgren, einer der Begründer der Permakultur, hat zwölf bekannte Gestaltungsprinzipien formuliert. Sie helfen beim Nachdenken, sind aber keine zwölf Gartenarbeiten, die du abhaken musst.

Die zwölf Permakultur-Prinzipien nach David Holmgren ansehen
  1. Beobachte und interagiere.
  2. Fange Energie ein und speichere sie.
  3. Erziele einen Ertrag.
  4. Wende Selbstregulation an und akzeptiere Feedback.
  5. Nutze und schätze erneuerbare Ressourcen und Leistungen.
  6. Produziere keinen Abfall.
  7. Gestalte von Mustern zu Details.
  8. Integriere statt zu trennen.
  9. Nutze kleine und langsame Lösungen.
  10. Nutze und schätze Vielfalt.
  11. Nutze Randzonen und schätze das Marginale.
  12. Nutze Veränderung kreativ und reagiere darauf.

Etwas sperrige Begriffe gehören dazu. Wie daraus praktische Entscheidungen werden, zeigen die Beispiele im weiteren Text.

Den Garten kennenlernen, bevor du ihn umbaust

Zonen planen: kurze Wege für die tägliche Arbeit

Den Schnittlauch brauchst du beim Kochen, die Jungpflanzen wollen häufig Wasser, der Holzvorrat dagegen nicht jeden Tag Aufmerksamkeit. Solche Unterschiede nutzt die Zonenplanung: Was du oft besuchst und pflegst, soll möglichst bequem erreichbar sein. Ein Kräuterbeet am hintersten Grundstücksrand ist weniger praktisch, wenn du für jedes Butterbrot erst die Gartenschuhe suchen musst.

ZoneGrundideeMögliche Nutzung
0LebensmittelpunktHaus oder Wohnung
1Sehr häufig besuchtKüchenkräuter, Jungpflanzen, häufig beerntete Beete
2Regelmäßig betreutWeitere Gemüseflächen, Obst oder Folientunnel
3Weniger häufige ArbeitenGrößere Anbauflächen und Wiesen
4Gelegentlich genutztHolznutzung oder wenig betreute Flächen
5Möglichst wenig beeinflusstNatur- und Beobachtungsbereich

Das sind Orientierungshilfen, keine festen Vorschriften. Ein Gewächshaus mit täglich betreuten Jungpflanzen gehört anders eingeplant als eine nur gelegentlich besuchte Fläche. Auf einem kleinen Grundstück gehen Zonen ineinander über; du brauchst weder alle sechs noch konzentrische Ringe um das Haus.

Verbinde die Nutzung mit den Standortbeobachtungen: Eine nahe Fläche hilft deinen sonnenhungrigen Pflanzen wenig, wenn sie ständig im Schatten liegt. Erst wenn Licht, Wege und Arbeitsbereiche zusammenpassen, kommen Details wie Beetform und Einfassung. Das steckt hinter dem Prinzip „von Mustern zu Details“.

Boden, Wasser und Gartenreste sinnvoll nutzen

Beobachte beim nächsten kräftigen Regen, wo Wasser vom Dach anfällt und wohin es auf dem Grundstück fließt. Eine Sammlung von Regenwasser kann helfen, ebenso ein sinnvoll gelegener Wasserzugang. Auf ohnehin nassem, schwerem Boden ist zusätzliches Zurückhalten aber nicht automatisch gut. Dort solltest du zuerst klären, warum die Fläche nass bleibt und welche Nutzung dazu passt.

Auch die Bodenpflege beeinflusst den Wasserhaushalt. Mulchen bedeutet, den Boden mit geeignetem Material zu bedecken, etwa Laub, Heu oder angetrocknetem Rasenschnitt. Das kann Verdunstung bremsen und liefert beim Zersetzen organische Substanz. Auf dem Hof wurde damit viel ausprobiert, unter anderem bei den Heukartoffeln. Bei sehr nassen Bedingungen und vielen Schnecken kann eine dicke Schicht allerdings ungünstig sein. Dann wird angepasst, nicht auf dem Prinzip bestanden.

Reifer Kompost, Pflanzenreste und eine geeignete Gründüngung halten ebenfalls Material im Gartenkreislauf. Bei einer Gründüngung wachsen Pflanzen vor allem dafür, den Boden zu bedecken und später organisches Material zu liefern, nicht für deine Gemüseernte. Bodenleben und Wurzeln gehören dabei genauso zur Planung wie die Nährstoffversorgung. Ein Beet mit guter Struktur muss nicht jedes Jahr aus Gewohnheit komplett umgedreht werden. Notwendiges Lockern bleibt trotzdem erlaubt.

Bei uns wanderten die teilweise verrotteten Heuballen aus einem Kürbisversuch nach der Saison als Mulch in einen anderen Gartenbereich. Für eine andere Aufgabe war das Material also noch zu gebrauchen. Genau so können kleine Kreisläufe aussehen. Du musst nicht jeden Rest zwanghaft verwerten; interessant ist, wo vorhandenes Material einen echten Nutzen hat.

Pflanzen kombinieren: vielfältig, aber nicht wahllos

Verschiedene Gemüsearten, Kräuter, Blütenpflanzen und mehrjährige Sträucher können sich im Garten ergänzen. Vielfalt bedeutet auch unterschiedliche Blühzeiten und Wuchshöhen. Fällt eine Kultur aus, hängt nicht gleich die ganze Ernte an ihr. Schädlingsfrei wird der Garten dadurch allerdings nicht. Auch bei uns verschwanden Schnecken und andere Probleme nicht bloß deshalb, weil vieles nebeneinander wuchs.

Ein Waldgarten verbindet mehrere Pflanzenschichten: beispielsweise Obstbäume, Beerensträucher, Stauden, Bodendecker und Kletterpflanzen. Das ist vor allem für mehrjährige Kulturen interessant. Du pflanzt aber nicht einfach Gemüse unter einen dichten Baum und erwartest überall volle Ernte. Licht, Platz und die Ansprüche der einzelnen Pflanzen müssen zusammenpassen. Wer hauptsächlich sonnig stehende Tomaten und Kartoffeln anbauen möchte, braucht dafür nicht zwingend einen Waldgarten.

Schau auch auf Übergänge: Vor einer sonnigen Mauer kann es wärmer sein als mitten auf der Fläche, an einer Hecke entstehen geschütztere oder schattigere Plätze. Solche Übergänge werden als Randzonen betrachtet. Das Mikroklima beschreibt die örtlichen Klimabedingungen, die sich dort auf kleinem Raum unterscheiden können. Vorhandene Strukturen zu nutzen kann sinnvoller sein, als erst alles abzuräumen und anschließend mühsam neu zu bauen.

Tiere können Kreisläufe ergänzen, gehören aber nicht zur Pflichtausstattung. Hühner liefern beispielsweise Eier und Mist, brauchen gleichzeitig Futter, Schutz und tägliche Betreuung und können Beete kräftig umgestalten. Ein Tier ist kein Gartengerät. Ein Garten ohne eigene Tierhaltung ist deshalb nicht weniger berechtigt, nach Permakulturprinzipien geplant zu werden.

So beginnst du mit deinem eigenen Permakulturgarten

Für die erste Saison würde ich nicht gleichzeitig einen Teich graben, Obstbäume pflanzen und zehn neue Beete anlegen. Such dir einen überschaubaren Bereich und eine konkrete Aufgabe. Mehr Kräuter für die Küche, ein Gemüsebeet mit kürzeren Gießwegen oder bessere Verwendung für das Schnittgut: Das reicht als Anfang.

  1. Überlege, was du wirklich nutzen möchtest. Plane nach eurem Essen, eurem Platz und der Zeit, die im Alltag übrig bleibt.
  2. Zeichne den Ausgangszustand auf. Markiere vorhandene Pflanzen, Licht, Wasser und häufige Wege, bevor neue Elemente dazukommen.
  3. Teste eine überschaubare Veränderung. Beispielsweise ein gemulchtes Beet oder eine besser erreichbare Kräuterpflanzung. Nutze vorhandenes Material, wenn es geeignet ist.
  4. Schau nach einer Saison auf das Ergebnis. Was wurde geerntet, wie viel Arbeit fiel an und was hat nicht funktioniert? Danach passt du den Plan an.

Ein Nutzgarten darf ausdrücklich Ertrag bringen. Das gehört zu den Permakulturprinzipien, nicht nur das ökologische Aussehen. Gemüse und Obst zählen dazu, für deinen Alltag aber auch gesparte Wege und ein angenehmer Sitzplatz. Wenn eine Idee viel Arbeit verursacht und kaum etwas zurückgibt, darf sie wieder raus. Auch dann, wenn sie auf dem ursprünglichen Plan sehr schön war.

Diese Fragen funktionieren ebenso auf einem Balkon: Wo ist genug Sonne, wo trocknen Töpfe schnell aus und welche Kräuter brauchst du ständig? Die Fläche verändert die Möglichkeiten, nicht die grundsätzliche Denkweise. Für größere Beetpläne findest du weitere Hilfe unter Gemüsegarten planen.

Einblicke in den Mienbacher Waldgarten

Die folgenden Bilder stammen nicht vom Paradies am Lusen, sondern von einem Besuch im Mienbacher Waldgarten bei Hannelore Zech. Sie zeigen, wie unterschiedlich ein gestalteter Garten genutzt werden kann: zum Anbauen, für die Anzucht, zum Lagern, für Tiere und eben auch zum Sitzen.

Nach so einem Besuch würde ich nicht versuchen, alles nachzubauen. Interessanter ist die Frage: Warum steht etwas genau dort? Eine geschützte Wand, ein gut erreichbarer Anzuchtplatz oder ein Lager direkt am Arbeitsbereich können hilfreicher sein als das nächste besonders ausgefallene Beet.

Weitere 20 Fotos vom Besuch im Mienbacher Waldgarten ansehen

Für deinen eigenen Garten musst du daraus keine neue Großbaustelle machen. Vielleicht fällt dir beim nächsten Rundgang einfach auf, dass die täglich benutzten Kräuter viel zu weit weg stehen. Dann fängst du dort an. Der Teich mit den Fröschen kann noch warten.

Fachlich nachlesen: Permaculture Association: Grundlagen und Ethiken · Permaculture Association: Zonenplanung · Permaculture Association: Sektorenplanung · Die zwölf Gestaltungsprinzipien nach David Holmgren

Nach einem Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen. Für Last Farm überarbeitet. Die gekennzeichneten Besuchsfotos zeigen den Mienbacher Waldgarten.

L
VonLisa Haidorf
Garten

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Bevor du Bäume pflanzt oder feste Wege anlegst, lohnt sich ein Rundgang zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichem Wetter. Wo liegt mittags Sonne? Welche Stelle bleibt nach Regen lange nass? Wo trocknet die Erde zuerst aus? Und wo zieht der kalte Wind genau durch den Platz, den du fürs Gemüse vorgesehen hattest?

Zeichne das Grundstück grob auf und trage Haus, vorhandene Bäume, Wasseranschluss und Wege ein. Ergänze Sonnenbereiche, Windrichtung und den beobachteten Wasserabfluss. Achte auch auf tiefere Stellen, in denen sich kalte Luft sammeln kann – sogenannte Frostsenken. In der Permakultur heißt die Betrachtung solcher äußeren Einflüsse Sektorenplanung. Für den Anfang reichen ein paar Pfeile und Notizen. Die Zeichnung muss niemandem gefallen.

Bei unserer Benjeshecke ging es beispielsweise darum, kalten Ostwind an der Kräuterspirale zu bremsen. Gleichzeitig fiel regelmäßig Schnittgut an. Die Hecke nahm das Material auf und diente als Windschutz; mit der Zeit kamen Verstecke und Lebensraum hinzu. Ein Element übernahm also mehrere Aufgaben. Das ist greifbarer als der Vorsatz, jetzt unbedingt einen „Permakulturgarten“ bauen zu müssen.

Du musst nicht erst ein Jahr untätig danebenstehen. Mit einem kleinen Beet kannst du anfangen, während du den Rest weiter beobachtest. Je dauerhafter eine Entscheidung ist, desto besser solltest du den Platz vorher kennen. Einen Topf umzustellen ist etwas anderes, als einen Obstbaum nach ein paar Jahren wieder auszugraben.

Licht, Boden und Feuchtigkeit bestimmen mit, welche Pflanzen an einen Platz passen.
Last Farm · Community

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