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Benjeshecke anlegen: Windschutz aus Ästen und Schnittgut
Wohin mit den Ästen vom Rückschnitt? Bei uns wurde daraus ein Windschutz für die Kräuterspirale. So legst du eine Benjeshecke an und füllst sie später nach.
Von Lisa Haidorf6 Min. Lesezeit
In diesem Artikel
An unserer großen Kräuterspirale pfiff im Winter der kalte Ostwind vorbei. Gleichzeitig fiel auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen regelmäßig Ast- und Strauchschnitt an. Die Lösung brachte beides zusammen: Aus zwei Reihen Pfosten und dem eigenen Schnittgut entstand eine Benjeshecke.
Am Anfang sah das noch ziemlich luftig aus. Pfosten, ein paar Äste, viele Lücken. Ein Gartenprojekt, bei dem man nicht gleich am ersten Tag bewundernd davorsteht. Mit jeder Saison kam Material dazu, und aus dem lockeren Anfang wurde ein fester Teil des Gartens. So haben wir die Hecke aufgebaut – und das solltest du für deinen eigenen Versuch wissen.
Was ist eine Benjeshecke – und hilft sie gegen Wind?
Eine Benjeshecke wird im Garten häufig auch Totholzhecke genannt. Statt eine Reihe Sträucher zu pflanzen, schichtest du Äste und Zweige zwischen zwei Reihen stabiler Pfosten. Die halten das Material seitlich zusammen. Es bleibt dauerhaft dort, setzt sich und verrottet nach und nach. Neues Schnittgut kommt später oben dazu.
Bei uns sollte diese Hecke den offenen Bereich an der Kräuterspirale etwas vor dem Ostwind schützen. Eine massive Wand wollten wir dort nicht haben. Mit der Zeit wurde das Astwerk dichter und nahm dem Platz etwas von seiner direkten Windbelastung.
Winddicht oder sofort blickdicht ist so eine Hecke deshalb nicht. Gerade eine frisch angelegte, locker gefüllte Konstruktion hat viele Lücken. Plane sie nicht wie ein geschlossenes Zaunelement ein. Für uns war sie vor allem eine Möglichkeit, vorhandenes Material sinnvoll einzusetzen, statt es immer wieder anderswo aufzuhäufen.
Standort, Pfosten und Schnittgut vorbereiten
Schau zuerst, wo die Hecke wirklich gebraucht wird. Soll sie Wind bremsen, einen Gartenbereich abgrenzen oder vor allem Schnittgut aufnehmen? Markiere ihren Verlauf mit einer Schnur und geh die angrenzenden Wege einmal ab. Bleibt genug Platz für die Schubkarre? Kommst du später noch bequem zum Nachfüllen heran? An der Grundstücksgrenze klärst du vorab, welche örtlichen Vorgaben für Abstände und Einfriedungen gelten.
Du brauchst stabile Holzpfosten, Äste und Zweige. Dazu kommen Werkzeug zum Setzen der Pfosten, etwa Spaten und ein geeigneter Hammer oder eine Pfahlramme, sowie Astschere oder Säge. Mit Arbeitshandschuhen greift es sich angenehmer ins verzweigte Material. Auf dem Hof verwendeten wir, was beim Rückschnitt von Sträuchern und Gehölzen anfiel. Längere, verzweigte Äste verhaken sich gut miteinander, kleinere Zweige ergänzen die Füllung. Du musst das Material also nicht erst in lauter gleich lange Stücke sägen.
Die genauen Abmessungen unserer Hecke sind im damaligen Bericht nicht festgehalten. Als ergänzende Orientierung für eine Gartenhecke nennt der NABU Wiesbaden diese Maße:
Was du planst
Richtwert
Abstand zwischen den beiden Pfostenreihen
Etwa 50 bis 70 cm – daraus ergibt sich die Breite der Hecke.
Abstand der Pfosten innerhalb einer Reihe
Etwa 60 cm bis 1 m.
Wie tief die Pfosten im Boden stehen
Etwa 30 bis 50 cm.
Das sind Richtwerte, keine Garantie für jeden Boden und jede Höhe. Plane eine Höhe, die du bequem vom Boden aus befüllen kannst. Die Pfosten müssen das Astwerk auch dann noch halten, wenn mehr Material hinzukommt. Stehen sie schon leer wackelig, wird nicht einfach drumherum weitergestapelt.
Benjeshecke anlegen: Äste locker und sicher einschichten
Bei uns standen zunächst die beiden Pfostenreihen, danach wanderte nach und nach das Schnittgut hinein. Du brauchst also nicht schon am ersten Tag Material für eine vollständig gefüllte Hecke. So kannst du beim Aufbau vorgehen:
Pfosten setzen: Markiere beide Reihen und setze die Pfosten standfest in den Boden. Ihr Abstand muss zu den Ästen passen, die sie später halten sollen.
Mit gröberem Holz beginnen: Lege die stärkeren, schwereren Äste nach unten. Verteile sie so, dass sie sicher liegen und nichts seitlich herausrollen kann.
Mit Zweigen ergänzen: Schichte längeres und feineres Schnittgut dazwischen und darüber. Die Äste dürfen sich verhaken; sie müssen aber nicht zu einem festen Block zusammengepresst werden.
Die Ränder kontrollieren: Kürze Äste ein, die störend in Wege ragen, und lege die Stücke wieder hinein. Schau zum Schluss nach, ob die Füllung sicher zwischen den Pfosten bleibt.
Klettere zum Verdichten nicht auf die Hecke. Das Material setzt sich ohnehin, und später können Tiere in den Zwischenräumen sitzen. Locker geschichtet heißt aber auch nicht, dass schwere Äste oben nur gerade so balancieren dürfen. Die Füllung soll Luft und Lücken behalten, ohne auseinanderzufallen.
Und falls sie danach noch etwas unfertig aussieht: Das war bei uns genauso. Die nächste Runde Strauchschnitt kommt bestimmt. Dafür muss nicht extra noch ein gesunder Strauch weichen.
Nachfüllen und pflegen: Die Hecke verändert sich
Nach einiger Zeit ist die Hecke niedriger als unmittelbar nach dem Aufbau. Die Zweige rutschen ineinander, feines Material bricht zusammen und das Holz wird langsam zersetzt. Das ist kein Zeichen dafür, dass du schlecht gebaut hast. Beim nächsten Rückschnitt ergänzt du die abgesackten Bereiche von oben, ohne die alten Schichten jedes Mal auseinanderzunehmen.
Auf dem Paradies am Lusen wurde die Hecke auf diese Weise über die Jahre immer wieder aufgefüllt. Auch die Pfosten brauchen gelegentlich einen Blick: Morsche oder lockere Stützen werden rechtzeitig ersetzt beziehungsweise gesichert.
Eine feste Lebensdauer in Jahren lässt sich daraus nicht ableiten. Holz, Feuchtigkeit, Standort und Nachschub entscheiden mit. Die Hecke ist eher ein dauerhaft genutzter Platz für sich veränderndes Material als ein Bauteil, das unverändert stehen bleibt. Halte Wege frei, aber räume die Zwischenräume nicht immer wieder auf. Eine bestehende Totholzhecke ist auch kein bereitgelegter Haufen fürs nächste Gartenfeuer.
Mehr als eine Ablage für Äste
Zum Nutzen als Windschutz kommt ein weiterer Punkt, den der NABU bei Totholz im Garten hervorhebt: Zwischen Ästen, unter Rinde und in Hohlräumen können beispielsweise Insekten, Spinnen und Kröten Unterschlupf finden. Lass bewohnte Bereiche deshalb möglichst ungestört.
Mit der Zeit können sich dort auch Pflanzen ansiedeln. Vögel und Wind tragen Samen ein; aus der Totholzstruktur kann allmählich eine begrünte Hecke werden. Welche Pflanzen tatsächlich wachsen, hängt vom Standort und den eingetragenen Samen ab. Eine bestimmte Strauchhecke lässt sich damit allerdings nicht bestellen.
Bei uns stand zunächst der Windschutz an der Kräuterspirale im Vordergrund. Dass dafür das eigene Schnittgut verwendet werden konnte, machte das Projekt praktisch. Solche Verbindungen spielen auch bei der Permakultur im Garten eine Rolle: Vorhandenes Material bekommt eine Aufgabe, statt nur irgendwo herumzuliegen.
Eine Benjeshecke muss deshalb kein großes Prestigeprojekt werden. Ein passender Platz und stabile Pfosten sind wichtiger als eine perfekte Form. Die Äste dürfen krumm sein. Gerade das war an dieser Hecke angenehm: Sie durfte mit dem Garten wachsen, ohne jedes Frühjahr wieder von vorn anfangen zu müssen.
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