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Ein Garten muss nicht mit 500 Quadratmetern starten. Die alte Fotoreihe aus dem Paradies am Lusen zeigt, wie aus einer Idee ein Blumen- und Gemüsegarten wurde, und worauf es beim Planen wirklich ankommt.
Von Lisa Haidorf5 Min. Lesezeit
In diesem Artikel
Bevor das erste Saatgut bestellt ist, entscheidet oft der Plan darüber, ob ein Garten später Freude macht oder vor allem Arbeit. Auf dem damaligen Familienhof Paradies am Lusen entstand ein rund 500 Quadratmeter großer Blumen- und Gemüsegarten, der Jahr für Jahr neu gezeichnet wurde. 2010 als Regenbogen, 2011 als Auge, dessen Beete wie Wimpern ausliefen.
Gerade diese Fotoserie ist tröstlich. Auch ein eindrucksvoller Garten beginnt mit blanker Erde, Linien im Kopf und ein paar Versuchen. Wer selbst loslegen will, muss nicht mit 500 Quadratmetern anfangen. Wichtiger ist, dass der Garten zu deinem Alltag passt.
Klein anfangen und den Platz ehrlich lesen
Der historische Garten auf dem Paradies am Lusen war groß und voller Ideen. Eine Vorgabe für den Einstieg ist das aber nicht. Für den ersten eigenen Gemüsegarten ist kleiner oft klüger, weil du schneller merkst, was dir liegt und was im Alltag realistisch bleibt.
Bevor du Beete absteckst, schau dir den Platz nüchtern an. Wo kommt zuverlässig Sonne hin? Wo ist Wasser in der Nähe? Und wohin läufst du auch an einem müden Abend noch gern mit der Gießkanne? Solche Fragen entscheiden mehr als jede hübsche Skizze.
Hilfreich ist auch, vom Teller statt vom Saatgutregal aus zu planen. Setz zuerst das, was du wirklich gern isst. Lieblingsgemüse bekommt eher die nötige Aufmerksamkeit als eine spontane Rarität, die später ratlos im Beet steht. Ein einfacher Pflanzkalender oder ein Notizblatt hilft dir, Aussaat und Nachpflanzungen im Blick zu behalten.
Blumen neben Gemüse dürfen dabei ausdrücklich mit einziehen. Im Garten der Familie standen beides nebeneinander, einfach weil es schön aussah und den Platz lebendig machte. Für Erntewege, Randstreifen und Übergänge ist das praktisch. Darauf, dass Blumen jedes Problem mit Schädlingen lösen, sollte man sich allerdings nicht verlassen.
Wege und Beetbreite retten den Alltag
Die Fotos aus 2011 zeigen schön, wie viel ein guter Grundriss ausmacht. Zuerst war da bloß offene Erde. Dann wurde die Form angelegt, in jenem Jahr als Auge, mit Beeten wie Wimpern. Im Jahr davor war es ein Regenbogen. Solche Muster wirken verspielt, erfüllen aber nur dann ihren Zweck, wenn die Beete erreichbar bleiben.
Deshalb lohnt sich beim Planen eine sehr einfache Regel: Beete nur so breit, dass du bequem von beiden Seiten arbeiten kannst, und Wege nicht als Restfläche behandeln. Du gehst dort mit Korb, Hacke oder Schubkarre entlang, auch nach Regen. Wenn die Wege fehlen, wird aus einer schönen Zeichnung schnell ein Hindernislauf.
Damals kamen zum Plan noch Wetterglück, etwas Regen zur rechten Zeit und sehr viel Handarbeit. Viel Unkraut wurde von Hand entfernt, und auch Kartoffelkäfer wurden abgesammelt. Gerade deshalb sieht man an der Fotoreihe etwas Beruhigendes: Ein Garten entsteht nicht an einem einzigen perfekten Tag, sondern Stück für Stück.
Wenn du magst, zeichne dir Beete, Wege und Sonnenverlauf für eine Saison einmal auf Papier auf. Nach dem ersten Jahr weißt du meist schon, welche Ecke zu trocken ist, wo etwas zu eng wurde und welche Strecke du ständig läufst.
Sorten ausprobieren gehört dazu
Neben Klassikern wie Kraut, Wirsing, Kohlrabi und Rote Bete probierte die Familie damals auch weniger Gewohntes aus, darunter Erdbeerspinat, Speisechrysanthemen, Buchweizen, Schabzigerklee und Kolbenhirse. Nicht alles muss bleiben. Gerade das Ausprobieren gehört zu einem Garten, der wirklich zu dir passen soll.
Bei der Kolbenhirse funktionierte das erstaunlich gut, sie wuchs in diesem Klima sehr ordentlich. Bei den Kartoffeln lief parallel eine kleine Sortensuche. In einem Jahr wurden 12 Sorten gelegt. Eine fiel gleich wieder aus dem Rennen, die anderen schnitten ordentlich ab. Dazu kam ein insgesamt gutes Kartoffeljahr mit besonders großen Knollen. Solche Erfahrungen sind wertvoller als jede allgemeine Bestenliste, weil sie auf deinem Boden, in deinem Wetter und mit deinem Rhythmus entstanden sind.
Wenn du Sorten auswählst, hilft es, nicht alles auf einmal zu wollen. Ein paar sichere Favoriten, ein oder zwei Versuche und gute Notizen reichen völlig. Mehr dazu passt später gut zu unserem Artikel über Saatgut.
Wenn der Garten jedes Jahr anders aussehen darf
Vielleicht ist das Schönste an dieser alten Gartenserie gar nicht die Größe oder das Muster, sondern die Gelassenheit dahinter. Der Garten durfte jedes Jahr anders aussehen. Genau das nimmt Druck aus der Planung. Du musst nicht im ersten Frühjahr den endgültigen Plan treffen.
Wenn aus einzelnen Beeten mit der Zeit ein stimmigeres Ganzes werden soll, findest du Anregungen in den Beiträgen zu Permakultur und Selbstversorgung. Für den Anfang reichen Sonne, Wasser, erreichbare Beete und Gemüse, auf das du dich wirklich freust.
Ein Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen. Für Last Farm überarbeitet.
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