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  3. Saatgut selber gewinnen: Samen ernten, trocknen und lagern
Saatgut gewinnenSamen lagernSamenfeste SortenGemüsegartenSelbstversorgungParadies am Lusen

Saatgut selber gewinnen: Samen ernten, trocknen und lagern

Mit einer Tomate oder ein paar Erbsen fängt es an. So gewinnst du eigenes Saatgut, trocknest und lagerst es – mit einfachen Anleitungen und Erfahrungen vom Hof.

Von Lisa Haidorf13.11.2022Aktualisiert: 14.10.20269 Min. Lesezeit
Gesammeltes und getrocknetes Saatgut in kleinen beschrifteten Behältern für die nächste Gartensaison
In diesem Artikel
  1. 01Samenfest oder F1: Welche Pflanzen eignen sich?
  2. 02Samen von Bohnen, Erbsen und Tomaten ernten
  3. 03Salat und Blumen: Ein paar Pflanzen dürfen stehen bleiben
  4. 04Kreuzungen: Warum im nächsten Jahr etwas anderes wächst
  5. 05Saatgut reinigen und richtig trocknen
  6. 06Samen lagern: trocken, kühl und beschriftet
  7. 07Keimprobe: Ist altes Saatgut noch brauchbar?
In diesem Artikel
  1. 01Samenfest oder F1: Welche Pflanzen eignen sich?
  2. 02Samen von Bohnen, Erbsen und Tomaten ernten
  3. 03Salat und Blumen: Ein paar Pflanzen dürfen stehen bleiben
  4. 04Kreuzungen: Warum im nächsten Jahr etwas anderes wächst
  5. 05Saatgut reinigen und richtig trocknen
  6. 06Samen lagern: trocken, kühl und beschriftet
  7. 07Keimprobe: Ist altes Saatgut noch brauchbar?

Eine Pflanze aussäen, Gemüse ernten und aus ihren Samen im nächsten Jahr wieder von vorne anfangen: Das hat schon etwas. Auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen begann Lisa mit Saatgut von Sommerblumen. Später kamen Stauden und Gemüse dazu. Bei einem großen Garten war das nicht nur schön, sondern auch praktisch. Weniger Samentütchen nachkaufen und bewährte Sorten behalten.

Du musst dafür nicht gleich den ganzen Garten selbst vermehren. Eine samenfeste Tomatensorte oder ein paar Erbsen reichen zum Lernen. Wichtig sind reife Samen, gutes Trocknen und ein bisschen Wissen darüber, wer sich mit wem kreuzen kann.

Samenfest oder F1: Welche Pflanzen eignen sich?

Schau zuerst auf das Saatguttütchen oder Pflanzenetikett. Samenfeste Sorten lassen sich so weitervermehren, dass ihre Nachkommen wieder weitgehend die typischen Eigenschaften der Sorte zeigen. Voraussetzung ist unter anderem, dass keine andere Sorte eingekreuzt wurde.

Steht dort F1, handelt es sich um die erste Generation einer gezielten Kreuzung bestimmter Elternlinien. Das bedeutet weder Gentechnik noch grundsätzlich unfruchtbare Samen. Du kannst daraus durchaus neue Pflanzen ziehen, nur können sich deren Eigenschaften deutlich unterscheiden. Wuchs, Früchte und Geschmack können in der nächsten Generation anders ausfallen. Für Experimente spannend, zum zuverlässigen Behalten einer Lieblingssorte weniger geeignet.

Markiere während der Saison mehrere gesunde Pflanzen, die dir gefallen: wegen ihres Geschmacks, ihrer Erntezeit oder weil sie bei dir gut wachsen. Diese Auswahl nennt man Selektion. Nimm nicht einfach die kümmerliche Pflanze, die am Schluss niemand mehr ernten wollte. Und heb das Etikett auf. „Die leckere rote Tomate“ ist bei mehreren roten Sorten irgendwann keine besonders eindeutige Beschreibung mehr.

Samen von Bohnen, Erbsen und Tomaten ernten

Bei Erbsen und gewöhnlichen Gartenbohnen ist der Anfang überschaubar. Lass an den ausgewählten Pflanzen einige gesunde Hülsen hängen, statt alles für die Küche zu ernten. Die Hülsen müssen vollständig ausreifen, trocken und brüchig werden; die Samen darin sind dann fest. Das dauert deutlich länger als bis zur normalen Gemüseernte. Pflücke bei trockenem Wetter und lass die Hülsen drinnen luftig nachtrocknen, bevor du die Samen herauslöst. Beschädigte oder schimmelige Exemplare sortierst du aus.

Diese Pflanzen bestäuben sich überwiegend selbst: Der Pollen für die Befruchtung stammt meist aus derselben Blüte. Das erleichtert die Vermehrung, schließt Kreuzungen aber nicht völlig aus. Für den ersten Versuch reicht eine Sorte.

L
VonLisa Haidorf
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Bei Tomaten brauchst du eine gesunde, vollständig reife und sortentypische Frucht. Sie sollte so aussehen, wie du es von der Sorte erwartest. Für eine kleine Menge geht es ohne besondere Ausrüstung:

  1. Aufschneiden und ausschaben: Hole die Samen samt der gallertartigen Hülle mit einem kleinen Löffel heraus.
  2. Dünn verteilen: Streiche die Samen mit Abstand auf beschriftetes Backpapier. Große Fruchtfleischstücke kommen nicht mit auf die Unterlage.
  3. Gründlich trocknen: Lass alles an einem luftigen Platz ohne starke Hitze vollständig durchtrocknen. Löse die trockenen Samen anschließend vorsichtig ab.

Das direkte Trocknen beschreibt auch das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft. Alternativ löst eine kurze Gärung, die sogenannte Fermentation, die gallertartige Hülle; danach werden die Samen gewaschen und getrocknet. Ein Gärglas ist für den Einstieg also kein Pflichtteil.

Auch Tomaten sind überwiegend Selbstbestäuber, Kreuzungen bleiben trotzdem möglich. Zur Pflege der Pflanzen geht es im Beitrag über Tomaten anbauen und pflegen weiter.

Salat und Blumen: Ein paar Pflanzen dürfen stehen bleiben

Ein Salatkopf sieht ordentlich und überschaubar aus. Lässt du ihn für Saatgut stehen, ist damit irgendwann Schluss: Er schießt und bildet einen hohen Blütenstängel. Wähle dafür gut entwickelte Pflanzen, die nicht ungewöhnlich früh schießen. Sonst vermehrst du ausgerechnet eine Eigenschaft, die du beim Salatanbau normalerweise vermeiden möchtest.

Nach der Blüte bilden sich kleine Schirmchen, die an winzige Pusteblumen erinnern. Wenn die Samen trocken sind und sich leicht lösen, kannst du sie vorsichtig über einer Schüssel oder Papiertüte abstreifen. Nicht alle werden gleichzeitig reif; mehrere kleine Ernten sind deshalb oft praktischer. Plane solche Samenträger früh ein, damit sie genügend Zeit bis zur Reife haben und nicht die nächste Pflanzung blockieren. Hohe Stängel brauchen mitunter eine Stütze.

Auf dem Hof wurde das mit rotem Pflücksalat, rotem Romanasalat und Eissalat ausprobiert. 2014 sollten mehrere Romanasalate Saatgut liefern. Zum Glück waren es mehrere: Durch die feuchte Witterung bekam ein Teil Botrytis, also Grauschimmel. Mit nur einer einzigen Pflanze wäre der Versuch womöglich erledigt gewesen. Ein luftiger Regenschutz kann bei empfindlichen Salatsamenständen helfen; die Pflanzen sollten dabei nicht feucht eingepackt werden.

Mit Sommerblumen hatte Lisa schon vor dem Gemüse angefangen. Hier lässt du einen Teil der Blüten stehen und beobachtest, wie daraus Samenstände werden. Bei vielen Arten zeigen trockene Hüllen und feste, leicht lösbare Samen die Reife an. Sammle sie, bevor alles von allein im Beet landet. Bei Stauden lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die Art: Manche Samen brauchen besondere Keimbedingungen oder werden besser frisch ausgesät. Und auch bei Blumen kann die nächste Generation anders aussehen. Das muss ja nicht gleich eine Enttäuschung sein.

Kreuzungen: Warum im nächsten Jahr etwas anderes wächst

Für eine Kreuzung müssen die beteiligten Pflanzen miteinander kompatibel sein. Nicht alles kreuzt sich mit allem, bloß weil es nebeneinander blüht. Bei Fremdbestäubern übernehmen Insekten oder der Wind den Pollentransport. Die neuen Eigenschaften siehst du bei Tomaten oder Kürbissen normalerweise erst an den Pflanzen aus dem gewonnenen Saatgut, nicht an der gerade heranwachsenden Frucht.

Bei Paprika und Chili lassen sich Samen leicht aus vollständig ausgereiften Früchten nehmen und trocknen. Insekten können jedoch Pollen anderer kompatibler Sorten übertragen. Für sortenreines Saatgut muss unerwünschte Bestäubung schon an den Blüten verhindert werden. Getrennte Samentüten kommen dafür zu spät.

Mangold und Rote Bete gehören trotz ihres unterschiedlichen Aussehens zur selben Art, Beta vulgaris, und können sich über Windbestäubung kreuzen. Beide brauchen normalerweise ein zweites Jahr für Blüten und Samen. Überwinterung, mehrere geeignete Pflanzen und die Bestäubung musst du deshalb mitplanen. Das würde ich mir für später aufheben.

Bei Zucchini und Kürbissen ist zusätzlich Vorsicht nötig. Zucchini gehören zu Cucurbita pepo, ebenso verschiedene Speise- und Zierkürbisse. Kompatible Pflanzen können sich kreuzen; dabei können auch unerwünschte Bitterstoffe in den Nachkommen wieder auftreten. Für Anfänger würde ich hier gekauftes Saatgut verwenden, statt Samen aus unkontrollierter Bestäubung weiterzuführen.

Bitter schmeckende Zucchini oder Kürbisse nicht essen. Dahinter können giftige Cucurbitacine stecken. Auch Kochen macht sie nicht unschädlich. Bittere Früchte und daraus zubereitete Speisen werden entsorgt, nicht mit Gewürzen genießbar gemacht.

Vermehrung muss übrigens nicht immer über Samen laufen: Bei Knoblauch setzt du normalerweise einzelne Zehen. Auch damit geht es im nächsten Gartenjahr weiter.

Saatgut reinigen und richtig trocknen

Nach der Ernte entfernst du Hülsenreste, lose Pflanzenteile und bei feucht aufbereiteten Samen das Fruchtfleisch. Ein Sieb hilft beim Trennen, kleine Mengen kannst du von Hand auslesen. Perfekt sortiert muss es nicht sein. Größere Pflanzenreste können aber Feuchtigkeit und Schimmel mit ins Lager bringen.

Breite die Samen dünn auf einer sauberen Unterlage aus, etwa einem Teller oder Backpapier. Ein luftiger, trockener Platz ist wichtiger als besonders schnelles Trocknen. Ofen, heiße Heizung und pralle Sonne sind dafür keine Abkürzung. Bewege die Samen gelegentlich vorsichtig, damit keine feuchten Klumpen bleiben, und beschrifte die Unterlage gleich.

Wie lange das dauert, hängt von Größe, Ausgangsfeuchte und Raumklima ab. Rechne mit mehreren Tagen, bei größeren Samen und Hülsen auch länger. Eine trockene Oberfläche allein reicht nicht: Vor dem luftdichten Verpacken muss das Saatgut vollständig durchgetrocknet sein. Schimmeliges Saatgut würde ich nicht für die nächste Aussaat aufheben.

Samen lagern: trocken, kühl und beschriftet

Die meisten üblichen Gemüsesamen lagerst du trocken, kühl und dunkel. Gut getrocknetes Saatgut kommt beispielsweise in kleine Papierumschläge, die du gemeinsam in einer dicht schließenden, trockenen Dose oder einem Schraubglas aufbewahrst. Ein warmer Platz über der Heizung oder ein feuchter Gartenschuppen sind keine gute Wahl.

Auf jedes Päckchen gehören mindestens Pflanzenart, Sortenname und Erntejahr. Herkunft und besondere Beobachtungen kannst du dazuschreiben. Im September bist du noch überzeugt, dass du dir diese paar Samen problemlos merken kannst. Im März sehen sich die braunen Krümel dann erstaunlich ähnlich.

Wie lange sie keimfähig bleiben, unterscheidet sich je nach Kultur und Lagerung. Auf dem Paradies am Lusen wurde ungefähr mit diesen Zeiträumen geplant:

Grobe Orientierung aus dem HofalltagBeispiele
1 bis 2 JahreZwiebeln und Lauch
2 bis 4 JahreErbsen, Bohnen und Salat
4 bis 6 JahreTomaten, Gurken und Kürbisse

Das sind keine Verfallsdaten. Auf dem Hof keimten auch einzelne sehr alte Tomaten- und Gurkensamen noch. Darauf verlassen würde ich mich trotzdem nicht: Bevor ein ganzes Beet leer bleibt, lohnt sich bei älteren Vorräten eine Keimprobe.

Keimprobe: Ist altes Saatgut noch brauchbar?

Eine Keimprobe zeigt vor der Aussaat, ob noch etwas keimt. Für gewöhnliche Gemüsesamen brauchst du keine Laborausrüstung:

  1. Abzählen: Lege zehn oder zwanzig Samen auf feuchtes Küchenpapier in eine saubere Schale. Datum und Sorte dazuschreiben.
  2. Passend aufstellen: Halte das Papier gleichmäßig feucht, aber nicht tropfnass. Eine Abdeckung bremst das Austrocknen. Temperatur und Licht müssen zur Kultur passen.
  3. Abwarten und nachschauen: Kontrolliere regelmäßig und warte die übliche Keimzeit der Art ab. Nicht jeder Samen ist nach drei Tagen fertig.
  4. Auszählen: Keimen neun von zehn Samen, ist das ein gutes Zeichen. Bei nur zwei weißt du, dass du mit großen Lücken rechnen müsstest.

Die Stichprobe gibt eine Orientierung. Bei schwacher Keimung würde ich für wichtige Aussaaten eher frisches Saatgut nehmen. Besitzt du insgesamt nur fünf kostbare Samen, verbrauchst du sie besser nicht alle für einen Test, sondern ziehst sie einzeln vor.

Für den Anfang reicht eine Sorte, die du bis zu den neuen Samen begleitest. Auf dem Hof wurde daraus nach und nach mehr. Und wenn im Frühjahr die erste Tomate aus dem eigenen Saatgut keimt, schaut man schon ein bisschen stolz auf dieses winzige grüne Pflänzchen.

Weitere zehn Fotos aus dem Garten: Salat, Blumen und Samenstände

Fachquellen zu den ergänzten Anleitungen: BZL: Gemüse selbst vermehren · Dreschflegel: Saatgut von Salat · RHS: Samen ernten, reinigen und lagern · University of Minnesota: Gemüsesaatgut aufbereiten · Bayerische Gartenakademie: Keimfähigkeit prüfen[1] · Verbraucherschutz Baden-Württemberg: Bittere Zucchini und Kürbisse

Nach einem Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen. Für Last Farm überarbeitet und um praktische Hinweise zur Saatgutgewinnung ergänzt.

Quellen (1)
  1. Bayerische Gartenakademie: Keimfähigkeit prüfen

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