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  3. Tomaten anbauen und pflegen: vom Pflanzen bis zur Ernte
Tomaten anbauenTomatenpflegeTomatensortenGemüsegartenSelbstversorgungParadies am Lusen

Tomaten anbauen und pflegen: vom Pflanzen bis zur Ernte

Eigene Tomaten müssen kein Großprojekt werden. So findest du passende Sorten, lernst die wichtigsten Handgriffe und erntest mit etwas Übung deine ersten Früchte.

Von Lisa Haidorf05.02.2023Aktualisiert: 19.10.202610 Min. Lesezeit
Verschiedene reife rote, gelbe und ungewöhnliche Tomatensorten aus dem Hausgarten
In diesem Artikel
  1. 01Welche Tomatensorte passt zu dir?
  2. 02Tomaten vorziehen oder Jungpflanzen kaufen?
  3. 03Tomaten pflanzen: Standort, Abstand und Topfgröße
  4. 04Tomaten gießen und düngen, ohne es zu übertreiben
  5. 05Tomaten ausgeizen und anbinden: nicht jede Sorte gleich behandeln
  6. 06Häufige Tomatenprobleme erkennen
  7. 07Tomaten ernten, nachreifen lassen und Lieblingssorten behalten
In diesem Artikel
  1. 01Welche Tomatensorte passt zu dir?
  2. 02Tomaten vorziehen oder Jungpflanzen kaufen?
  3. 03Tomaten pflanzen: Standort, Abstand und Topfgröße
  4. 04Tomaten gießen und düngen, ohne es zu übertreiben
  5. 05Tomaten ausgeizen und anbinden: nicht jede Sorte gleich behandeln
  6. 06Häufige Tomatenprobleme erkennen
  7. 07Tomaten ernten, nachreifen lassen und Lieblingssorten behalten

Wer Tomaten nur aus dem Supermarkt kennt, kennt eigentlich nur einen kleinen Teil der Geschichte. Auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen zog Lisa 2022 rund 50 verschiedene Sorten. Für 2023 standen sogar ungefähr 60 auf dem Plan. Kleine süße Naschtomaten, große Fleischtomaten, gelbe, rote und allerlei ungewöhnliche Formen. Eine gelbe Ananastomate brachte es einmal auf 1.200 Gramm. Eher eine Familienportion als ein kleiner Snack.

So viele Sorten brauchst du zum Anfangen natürlich nicht. Zwei oder drei passende Pflanzen reichen, um die ersten eigenen Tomaten zu ernten. Wichtig ist, dass sie zu deinem Platz passen und du ein paar Handgriffe kennst. Du musst dafür weder jede Krankheit auswendig lernen noch täglich mit der Gartenschere danebenstehen.

Welche Tomatensorte passt zu dir?

Überlege zuerst, was du ernten möchtest. Cherry- und Cocktailtomaten bilden kleine Früchte, die sich gut zum Naschen eignen. Viele reifen vergleichsweise früh. Mittelgroße Salattomaten sind Allrounder für Brotzeit, Salat und Küche. Fleischtomaten liefern große Früchte für dicke Scheiben oder zum Füllen, brauchen je nach Sorte aber länger bis zur Reife. Bei einer kurzen, kühlen Gartensaison lohnt sich deshalb der Blick auf die Reifezeit.

Für den Platzbedarf ist etwas anderes entscheidend: Stabtomaten wachsen immer weiter in die Höhe, Buschtomaten begrenzen ihr Wachstum von selbst. Stabtomaten brauchen eine Stütze und werden häufig mit einem Haupttrieb gezogen. Kompakte Buschtomaten passen gut in Gefäße und dürfen sich stärker verzweigen. Eine Cherrytomate kann trotzdem eine große Stabtomate sein – kleine Früchte bedeuten nicht automatisch kleine Pflanze.

Daneben gibt es kompakte Dwarf-Sorten und Multiflora-Tomaten mit besonders großen Blütenständen. Spannend zum Ausprobieren, aber du musst nicht gleich alles gleichzeitig kennenlernen. Achte beim Kauf vor allem auf Wuchshöhe, Reifezeit und die Eignung für Freiland, Gewächshaus oder Topf. Auf dem Hof blieben über die Jahre die Sorten, die unter den Bedingungen vor Ort überzeugten. Die schönste Katalogtomate nützt schließlich wenig, wenn sie bei dir nicht rechtzeitig reif wird.

Tomaten vorziehen oder Jungpflanzen kaufen?

Für die erste Saison sind gekaufte Jungpflanzen völlig in Ordnung. Such kräftige Pflanzen mit gesundem Laub aus, nicht einfach die höchste. Möchtest du selbst aussäen, ist für die spätere Pflanzung ins Freie Mitte bis Ende März eine gute Orientierung, wie die Bayerische Gartenakademie empfiehlt. Ein sehr früher Start am dunklen Fensterbrett bringt oft lange, dünne Pflanzen statt eines Vorsprungs.

Säe die Samen etwa einen halben Zentimeter tief in Anzuchterde und halte sie warm und gleichmäßig feucht. Nach dem Keimen brauchen die Pflänzchen besonders viel Licht. Sobald nach den ersten Keimblättern die richtigen Laubblätter wachsen, setzt du dicht gesäte Pflanzen vorsichtig einzeln in kleine Töpfe. Das nennt man Pikieren. Beschrifte die Sorten gleich mit – nach ein paar Wochen sehen die Pflänzchen ähnlicher aus, als man beim Säen glaubt.

Tomaten pflanzen: Standort, Abstand und Topfgröße

Tomaten mögen einen sonnigen, warmen und geschützten Platz mit lockerem, nährstoffreichem Boden. Ein Dach hält Regen vom Laub fern und kann Krankheiten vorbeugen. Widerstandsfähige Freilandsorten können auch ohne Dach funktionieren. Im Gewächshaus oder Folientunnel musst du dagegen regelmäßig lüften, damit sich Hitze und Feuchtigkeit nicht stauen. Unsere Erfahrungen dazu findest du im Beitrag über den Folientunnel im Gemüsegarten.

Dauerhaft nach draußen kommen Tomaten erst, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind. In Deutschland ist Mitte Mai eine Orientierung, keine Wettergarantie. Gewöhne Jungpflanzen vorher über mehrere Tage schrittweise an Sonne und Wind. Aus der geschützten Anzucht direkt in die pralle Mittagssonne ist kein guter Start.

Beim Pflanzen helfen dir diese drei Punkte:

  1. Platz lassen: Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft nennt 60 × 60 cm als Orientierung. Kräftig verzweigte oder mehrtriebig gezogene Pflanzen brauchen gegebenenfalls mehr. Plane nach der ausgewachsenen Pflanze: Was im Mai noch großzügig aussieht, kann im Juli eine einzige Blätterwand sein.
  2. Sorgfältig einsetzen: Lockere den Boden und arbeite nach Bedarf reifen Kompost ein. Nicht veredelte Tomaten kannst du etwas tiefer setzen als im Anzuchttopf. Am eingegrabenen Stängel bilden sich zusätzliche Wurzeln. Entferne Blätter, die dabei unter die Erde kämen; bei als veredelt gekauften Pflanzen beachtest du die besonderen Pflanzhinweise des Anbieters.
  3. Angießen und abstützen: Drücke die Erde leicht an und gieße gründlich. Die Stütze für eine Stabtomate kommt am besten jetzt dazu, nicht erst dann, wenn die Pflanze schon halb auf dem Weg liegt.

Im Topf brauchst du ausreichend Erde und funktionierende Abzugslöcher. Für eine hochwachsende Stabtomate nennt die Bayerische Gartenakademie 35 bis 40 Liter Erde als günstige Größe. Kompakte Sorten kommen je nach Wuchs mit weniger aus. Ein größerer Kübel speichert mehr Wasser und macht die Versorgung leichter. Verwende geeignete Pflanzerde und lass die Wurzeln nicht dauerhaft in einem gefüllten Untersetzer stehen.

Tomaten gießen und düngen, ohne es zu übertreiben

Die häufigste Gießfrage lautet: jeden Tag oder nicht? Bei einer großen Kübeltomate an heißen Tagen kann tägliches Gießen nötig sein, im Beet bei kühlem Wetter deutlich seltener. Prüfe die Erde auch etwas unter der Oberfläche. Sie soll möglichst gleichmäßig feucht bleiben, ohne dauerhaft nass zu sein. Komplett austrocknen lassen und anschließend fluten ist keine besonders glückliche Routine.

Gieße direkt auf die Erde, möglichst ohne die Blätter zu benetzen. Das Wasser soll den Wurzelbereich erreichen, nicht nur die obersten Krümel. Eine feste Literzahl passt nicht für jede Pflanze. Wetter, Boden und Topfgröße machen dafür zu viel aus. Unter einem Dach gilt außerdem: Nur weil es draußen geregnet hat, wurde deine Tomate noch lange nicht gegossen.

Auf dem Paradies am Lusen wurde rund um die Tomaten mit Heu, Stroh und angetrocknetem Rasenschnitt gemulcht. Diese Bodenbedeckung verringert die Verdunstung und hält Feuchtigkeit länger im Boden. Rasenschnitt kommt lieber dünn und nach und nach aufs Beet als als dicker, nasser Klumpen direkt an den Stängel.

Tomaten brauchen viele Nährstoffe, aber keine Düngerkur auf Verdacht. Reifer Kompost kann im Beet die Grundlage bilden; bei Topferde schaust du nach, wie viel Dünger sie bereits enthält. Für späteren Nachschub richtet sich die Dosierung nach dem verwendeten Tomatendünger. Auf dem Hof kamen nach etwa sechs bis acht Wochen verdünnte Brennnessel- und Beinwelljauchen zum Einsatz. Auch Schafwolle im Pflanzloch wurde ausprobiert. Das waren unsere Methoden, keine notwendigen Zutaten für deine erste Tomate. Eine riesige grüne Pflanze ist durch extra viel Stickstoff jedenfalls nicht automatisch eine riesige Ernte.

Tomaten ausgeizen und anbinden: nicht jede Sorte gleich behandeln

Ausgeizen klingt komplizierter, als es ist: Du entfernst bestimmte Seitentriebe. Schau bei einer Stabtomate auf die Stelle, an der ein Blattstiel vom Hauptstängel abzweigt. Wächst in diesem Winkel ein weiterer kleiner Trieb mit eigenen Blättchen, ist das ein Geiztrieb. Gemeint ist nicht das vorhandene Blatt und auch nicht der Blütenstand.

Für den Einstieg lässt sich eine Stabtomate übersichtlich mit einem Haupttrieb ziehen. Kontrolliere die Blattachseln regelmäßig und brich die Geiztriebe vorsichtig aus, solange sie klein sind. Binde den Haupttrieb beim Weiterwachsen locker an einem stabilen Stab oder einer geeigneten Schnur fest, ohne ihn einzuschnüren. Ein übersehener Seitentrieb ruiniert die Ernte nicht sofort. Er macht die Pflanze nur irgendwann unübersichtlicher.

Buschtomaten werden normalerweise nicht auf diese Weise ausgegeizt. Sie tragen auch an ihren Seitenverzweigungen. Wer dort jeden Trieb entfernt, schneidet mögliche Früchte gleich mit weg. Bei besonderen Wuchsformen wie Dwarf-Tomaten orientierst du dich an den Pflegehinweisen zur Sorte, statt automatisch das Stabtomaten-Programm anzuwenden.

Blätter entfernst du ebenfalls gezielt: kranke oder beschädigte, solche mit Bodenkontakt und gegebenenfalls einzelne untere Blätter für eine bessere Durchlüftung. Eine gesunde Tomate muss nicht kahlgeschnitten werden, damit die Früchte reifen. Die Blätter versorgen die Pflanze und haben durchaus noch etwas vor.

Häufige Tomatenprobleme erkennen

Ein gelbes Blatt ist noch keine Katastrophe. Schau zuerst, ob nur ein altes Blatt betroffen ist oder ob sich Flecken, Welke und Verfärbungen ausbreiten. Prüfe auch die Blattunterseiten auf kleine Tiere. Nicht gleichzeitig mehr gießen, düngen und irgendein Mittel spritzen – damit wird die Ursache selten klarer.

Was du bemerkstWas dahinterstecken kannWas du zuerst tust
Dunkle, eingesunkene Stelle gegenüber dem StielansatzHäufig Blütenendfäule: Die Frucht wird nicht ausreichend mit Calcium versorgt. Das ist keine ansteckende Krankheit.Wasser- und Nährstoffversorgung prüfen. Oft ist genug Calcium im Boden, kommt aber nicht ausreichend in der Frucht an.
Aufgerissene FrüchteOft ein starker Wechsel zwischen Trockenheit und reichlich Wasser.Gleichmäßiger versorgen und betroffene Früchte auf Fäulnis kontrollieren.
Dunkle Flecken an Laub und Stängeln, braune feste Stellen an FrüchtenBei feuchtem Wetter kommt Kraut- und Braunfäule infrage.Befallene Teile entfernen und die Ursache zeitnah klären. Krankes Material nicht auf den kalten Gartenkompost geben.
Gelbe Blätter ohne eindeutige FleckenUnter anderem Alterung, Wasserprobleme oder Nährstoffmangel.Gesamtpflanze und Bodenfeuchte prüfen, statt allein aus der Blattfarbe eine Diagnose abzuleiten.

Die Übersicht hilft beim Einordnen, ersetzt aber keine sichere Bestimmung. Besonders bei schnell fortschreitenden Schäden lohnt sich fachlicher Rat. Gegen Kraut- und Braunfäule sind trockenes Laub, Luft zwischen den Pflanzen und ein passender Regenschutz wichtig. Tomaten und Kartoffeln können denselben Erreger bekommen; eine Pflanzung direkt nebeneinander ist deshalb ungünstig. Von Braunfäule betroffene Früchte werden nicht gegessen.

Gab es Probleme mit Krankheiten, deren Erreger im Boden überdauern, plane für die nächste Saison einen Standortwechsel. Nicht jede gesunde Tomate braucht jedes Jahr ein anderes Beet. Einen erkennbar belasteten Standort immer wieder unverändert zu bepflanzen, wäre aber ebenfalls keine gute Idee.

Tomaten ernten, nachreifen lassen und Lieblingssorten behalten

Wann die Ernte beginnt, hängt von Sorte, Pflanztermin und Wetter ab. Bei vielen Freilandtomaten geht es im Sommer los und bis in den Herbst weiter. Reife Früchte haben ihre sortentypische Farbe und geben bei leichtem Druck etwas nach. Halte beim Pflücken den Zweig fest. Lässt sich die Frucht nicht leicht lösen, schneidest du ihren Stiel vorsichtig ab, statt an der ganzen Pflanze zu ziehen.

Bei gelben, dunklen oder grün bleibenden Sorten hilft die Sortenbeschreibung. Eine grün reifende Tomate ist etwas anderes als eine noch unreife rote. Unreife Früchte lässt du erst nachreifen, statt ihren Reifegrad durch Probieren zu testen. Unreife Tomaten enthalten mehr natürliche Abwehrstoffe der Pflanze und sind besonders für kleine Kinder keine geeignete Naschprobe.

Vor den ersten Frösten kannst du gesunde, unbeschädigte Früchte hereinholen. Schon weit entwickelte Tomaten reifen bei Zimmertemperatur häufig noch nach. Lege sie in einer flachen Lage mit etwas Abstand aus und kontrolliere regelmäßig auf Fäulnis. Licht brauchen sie dafür nicht. Ganz kleine, noch kaum entwickelte Früchte werden dadurch allerdings nicht zuverlässig zu guten Tomaten.

Reife Tomaten, die bald gegessen werden, lagern für ein gutes Aroma meist besser außerhalb des Kühlschranks an einem nicht zu warmen Platz. Sehr reife Früchte kannst du kurzzeitig kühlen, bevor sie verderben. Kleine Naschtomaten schafften es bei uns ohnehin oft nicht bis in die Küche. Größere Früchte passen auf die Brotzeit oder in den Salat; Überschüsse lassen sich beispielsweise zu Sauce verarbeiten und einfrieren.

Hast du eine Lieblingssorte gefunden, wird eigenes Saatgut interessant. Tomaten bestäuben sich überwiegend selbst. Bei samenfesten Sorten lässt sich die Sorte meist gut weiterführen; die Nachkommen von F1-Hybriden können dagegen andere Eigenschaften haben. Wie du Samen aus geeigneten reifen Früchten gewinnst und aufbewahrst, erklären wir unter Saatgut selber gewinnen.

Die wichtigste Erkenntnis aus der Sortenvielfalt auf dem Hof war deshalb nicht, möglichst viele Tomaten gleichzeitig anzubauen. Es waren die Favoriten, die zuverlässig reiften und wirklich schmeckten. Genau die würde ich behalten. Und für die eine neue Sorte findet sich nächstes Jahr vielleicht trotzdem noch ein Plätzchen. So fängt das nämlich an.

Quellen zu den ergänzten Anbau- und Sicherheitshinweisen: Bayerische Gartenakademie: Tomatenanzucht[1] · BZL: Pflanzung und Anbau · Bayerische Gartenakademie: Tomaten im Kübel[2] · LfL: Krankheiten und Fruchtschäden[3] · University of Minnesota: Anzucht und Nachreife · BZfE: Unreife Tomaten und Glykoalkaloide[4]

Nach einem Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen. Für Last Farm überarbeitet und um praktische Anbauhinweise ergänzt.

Quellen (4)
  1. Bayerische Gartenakademie: Tomatenanzucht
  2. Bayerische Gartenakademie: Tomaten im Kübel
  3. LfL: Krankheiten und Fruchtschäden
  4. BZfE: Unreife Tomaten und Glykoalkaloide
L
VonLisa Haidorf
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