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  3. Kürbis im Heuballen anbauen: unser Versuch vom Hof
Kürbis anbauenHeuballenBallengartenGartenexperimentePermakulturSelbstversorgungParadies am Lusen

Kürbis im Heuballen anbauen: unser Versuch vom Hof

Sechs Kürbispflanzen, ein großer Heuballen und später kaum noch Heu zu sehen. So lief unser Versuch von 2016 – mit Tipps zum Vorbereiten, Pflanzen und Gießen.

Von Lisa Haidorf02.12.2016Aktualisiert: 14.10.20268 Min. Lesezeit
Kräftige Kürbispflanzen überwachsen einen großen runden Heuballen im Gemüsegarten
In diesem Artikel
  1. 01Heu oder Stroh: Was eignet sich für den Ballengarten?
  2. 02Den Heuballen vorbereiten: Wasser hinein, Wärme abwarten
  3. 03Kürbis pflanzen: Jede Pflanze bekommt eine Kompostmulde
  4. 04Gießen und düngen: nicht nur die Oberfläche versorgen
  5. 05Im Sommer: viel Grün und ein Ballen mit Schlagseite
  6. 06Nach der Ernte bekommt das Heu eine zweite Aufgabe
In diesem Artikel
  1. 01Heu oder Stroh: Was eignet sich für den Ballengarten?
  2. 02Den Heuballen vorbereiten: Wasser hinein, Wärme abwarten
  3. 03Kürbis pflanzen: Jede Pflanze bekommt eine Kompostmulde
  4. 04Gießen und düngen: nicht nur die Oberfläche versorgen
  5. 05Im Sommer: viel Grün und ein Ballen mit Schlagseite
  6. 06Nach der Ernte bekommt das Heu eine zweite Aufgabe

2016 stand auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen ein großer Heuballen mitten auf einer Wiese. Ungefähr 120 cm Durchmesser, ordentlich gepresst – und diesmal nicht als Futter gedacht. Nach einem kleineren Versuch mit Zucchini wollten wir wissen, ob sich darin auch Kürbisse anbauen lassen. Also kamen sechs Pflanzen hinein: drei oben, drei an die Seiten.

Im Sommer war vom Ballen kaum noch etwas zu sehen. Die Kürbisse hatten ihn unter ihren Blättern begraben und breiteten sich rundherum aus. Das klappte also tatsächlich. Ganz ohne Vorbereitung und Gießkanne ging es allerdings nicht. Hier zeigen wir dir, wie der Versuch ablief und worauf du bei einem eigenen Ballen achten solltest.

Heu oder Stroh: Was eignet sich für den Ballengarten?

Die meisten Anleitungen zum Ballengärtnern beschreiben Straw Bale Gardening, also den Anbau in Strohballen. Der Ballen übernimmt dabei die Rolle eines Pflanzgefäßes und wird während der Saison langsam abgebaut. Unsere Kürbisse wuchsen dagegen ausdrücklich in Heu. Das hatte einen sehr einfachen Grund: Es war vorhanden.

Heu ist getrocknetes Gras, je nach Wiese mit Kräutern und Samenständen. Stroh besteht vor allem aus den trockenen Getreidehalmen nach der Ernte. Im Heu können deshalb viele Samen stecken, die später zwischen deinen Kürbissen aufgehen. Stroh wird für solche Pflanzversuche häufig bevorzugt, ist aber ebenfalls nicht garantiert samenfrei. Unser Versuch zeigt: Heu kann funktionieren, du musst nur mit etwas zusätzlichem Grün rechnen.

Beim Zukaufen würde ich außerdem nach der Herkunft und nach eingesetzten Unkrautmitteln fragen. Die Beratung der North Carolina State University weist darauf hin, dass bestimmte langlebige Herbizide in Heu, Stroh und sogar Kompost wirksam bleiben und empfindliche Gartenpflanzen schädigen können. Dass Material schon älter ist, gibt dafür keine automatische Entwarnung.

Für den Standort brauchst du einen sonnigen, warmen Platz und genügend freie Fläche rundherum. Die Kürbisranken bleiben schließlich nicht auf dem Ballen. Stell ihn eben und standsicher auf und denk an einen erreichbaren Wasseranschluss. Der endgültige Platz wird ausgesucht, bevor der Ballen nass ist. Einen vollgesogenen Rundballen mal eben einen Meter weiterzuschieben, ist kein besonders dankbarer Teil der Gartenarbeit.

Den Heuballen vorbereiten: Wasser hinein, Wärme abwarten

Unser Rundballen kam bereits im Herbst vor dem Anbaujahr an seinen Platz. Über Winter konnte er Regen und Schnee aufnehmen und langsam durchfeuchten. Das war bei dem fest gepressten Material hilfreich: Von außen nass zu sein bedeutet bei so einem Ballen noch lange nicht, dass auch im Kern Wasser angekommen ist.

Im Frühjahr wurde deshalb weiter vorbereitet und gewässert. Prüfe nicht nur die Oberfläche, sondern auch das Material an den späteren Pflanzstellen und weiter innen. Es soll durchfeuchtet sein, nicht bloß außen glänzen. Wie viel Wasser dafür nötig ist, hängt vom Ballen und seinem Ausgangszustand ab; aus unserem Versuch lässt sich keine allgemeine Literzahl ableiten.

Für einen frischen Ballen kommt ein weiterer Vorbereitungsschritt hinzu. Beim mikrobiellen Abbau entsteht Wärme, ähnlich wie im Kompost. Die Oregon State University beschreibt für neue Strohballen eine etwa zehn- bis vierzehntägige Vorbereitung mit gründlichem Wässern und geeigneter Stickstoffzugabe. Dieses Anstoßen der Zersetzung heißt Konditionieren. Gepflanzt wird erst, wenn die Temperatur wieder ungefähr auf Umgebungsniveau liegt.

Das ist eine ergänzende Anleitung für frisches Stroh, nicht das dokumentierte Vorgehen bei unserem überwinterten Heuballen. Einen festen Düngeplan für kleine Strohballen würde ich nicht auf einen großen Heurundballen hochrechnen. Kontrolliere vor dem Pflanzen die Temperatur im vorgesehenen Wurzelbereich, bei Bedarf mit einem Bodenthermometer. Ist es dort noch deutlich warm oder heiß, müssen die Jungpflanzen warten.

Kürbis pflanzen: Jede Pflanze bekommt eine Kompostmulde

Im Frühjahr nahmen wir an den vorgesehenen Stellen etwas Heu heraus und füllten die entstandenen Mulden mit reifem Kompost. So bekamen die jungen Pflanzen einen brauchbaren Startbereich, statt ihre ersten Wurzeln direkt in grobes Heu schicken zu müssen. Der Ballen selbst war schließlich noch kein fertiger Komposthaufen.

Für deinen eigenen Versuch sind Jungpflanzen ein überschaubarer Anfang. Ergänzend gilt die normale Pflanzregel für Kürbisse: Sie kommen erst dauerhaft ins Freie, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind und es ausreichend warm ist. Gewöhne vorgezogene oder gekaufte Pflanzen vorher schrittweise an Sonne und Wind. Beim Einsetzen gehst du so vor:

  1. Mulde vorbereiten: Nimm so viel Material heraus, dass der Wurzelballen und rundherum Kompost Platz finden. An der Seite muss eine stabile Tasche entstehen, aus der nicht alles wieder herausrieselt.
  2. Vorsichtig einsetzen: Löse die Jungpflanze aus dem Topf, ohne die Wurzeln auseinanderzuziehen. Setze sie in die gefüllte Mulde und drücke das Material sanft an.
  3. Angießen und kontrollieren: Gieße zunächst direkt an der Pflanzstelle. Prüfe, ob der Kompost dort bleibt und der Wurzelballen gut versorgt wird.

Unsere sechs Pflanzen waren die Besetzung dieses Versuchs, keine allgemeine Pflanzempfehlung. Ein kleiner rechteckiger Pressballen bietet andere Bedingungen als ein Rundballen mit 120 cm Durchmesser. Entscheide nach Ballengröße, Wuchs der Sorte und verfügbarer Fläche. Für den ersten Versuch würde ich eher zurückhaltend pflanzen, als jede freie Stelle zu füllen.

Gießen und düngen: nicht nur die Oberfläche versorgen

Bei unserem großen Ballen stellte sich die Frage, wie das Wasser zuverlässig ins Zentrum gelangen sollte. Die Lösung war ein ungefähr 50 cm langes, seitlich gelochtes Rohr. Dafür wurde in der Mitte etwas Heu entfernt, das Rohr eingesetzt und der Bereich darum mit organischem Material und Kompost ergänzt. Über die Löcher konnte Wasser weiter innen ankommen.

So ein Rohr ist kein notwendiges Zubehör für jeden Ballengarten. Bei unserem Rundballen war es eine praktische Hilfe. Es ersetzt aber nicht die Kontrolle der einzelnen Pflanzmulden. Gerade am Anfang muss das Wasser dort ankommen, wo die jungen Wurzeln sitzen. Später behältst du auch die Feuchtigkeit im übrigen Ballen im Blick.

In Sonne und Wind kann die äußere Schicht rasch trocknen, während es innen noch feucht ist – oder umgekehrt nur oberflächlich Wasser angekommen sein. Richte dich deshalb nicht allein nach dem Aussehen. An heißen Tagen kann tägliches Gießen nötig werden. Ein durchfeuchteter Ballen speichert zwar Wasser, ist aber kein Vorrat für den ganzen Sommer.

Zum Gießen wurde auf dem Hof gelegentlich auch klares Waschwasser von Gemüse und Salat weiterverwendet. Gemeint ist Wasser ohne Spülmittel, Salz oder andere Zusätze, nicht der Inhalt einer Spülschüssel nach dem Abwasch.

Bei der Nährstoffversorgung bildete der Kompost die Grundlage; zusätzlich kam damals Brennnesseljauche zum Einsatz. Das ist unsere Hofpraxis, kein Pflichtrezept. Heu enthält organisches Material, stellt den Pflanzen aber nicht sofort alle Nährstoffe in passender Menge bereit. Plane eine bedarfsgerechte Versorgung ein und halte dich bei einem gekauften Dünger an dessen Hinweise. Eine Extraportion auf Verdacht macht aus dem Ballen nicht automatisch einen besseren Pflanzplatz.

Im Sommer: viel Grün und ein Ballen mit Schlagseite

Nachdem die Kürbisse angewachsen waren, ging es schnell. Die Ranken liefen über die Seiten auf die Wiese, die Blätter wurden größer und vom ursprünglichen Heuballen blieb immer weniger sichtbar. Von wegen, die Pflanzen würden sich auf ihren zugewiesenen Platz beschränken.

Gleichzeitig veränderte sich die Unterlage. Das Heu wurde weicher, zersetzte sich und sackte zusammen. Unser Ballen bekam im Laufe der Saison sichtbar Schlagseite. Das gehört zu den Dingen, die du vorher einplanen solltest: Ein verrottender Ballen bleibt keine formstabile Konstruktion. Schau zwischendurch nach, ob die Pflanzstellen noch halten und keine Wurzelballen freiliegen.

Das üppige Wachstum war für uns ein erfreuliches Ergebnis. Es beweist allerdings nicht, dass sechs Pflanzen pro Ballen ideal sind oder diese Methode mehr Ertrag bringt als ein normales Beet. Auch der erhöhte Pflanzplatz hält nicht alle Gartengäste fern. Gerade junge Kürbisse solltest du auf Schneckenfraß kontrollieren. Ein Heuballen ist nun einmal kein abgeschlossener Gemüsetresor.

Nach der Ernte bekommt das Heu eine zweite Aufgabe

Für die Ernte gelten dieselben Grundregeln wie im Beet: Lass die Früchte an der Pflanze ausreifen und hole sie vor Frost herein. Schneide sie mit einem Stück Stiel ab. Diese allgemeinen Erntehinweise sind eine Ergänzung zum damaligen Versuch; eine genaue Erntemenge wurde im Bericht nicht genannt.

Das teilweise verrottete Heu landete anschließend auf einem bereits abgeräumten Blumenbeet. Dort diente es als Mulch, also als organische Bodenbedeckung. Erst Pflanzplatz, dann Material für ein anderes Beet – gerade das gefiel uns an der Sache. Du kannst geeignete Reste auch weiter kompostieren. Ob ein Ballen noch eine zweite Pflanzsaison zusammenhält, hängt dagegen davon ab, wie weit er bereits zerfallen ist.

Für uns war der Versuch von 2016 überzeugend genug, dass weitere Ballen für die nächste Saison bereitgestellt wurden. Ein gutes Gemüsebeet muss deshalb trotzdem nicht weichen. Interessant wird die Methode vor allem, wenn ein geeigneter Ballen ohnehin vorhanden ist, du Platz für die Ranken hast und dich zuverlässig ums Wasser kümmern kannst.

Ähnliche Gedanken stecken hinter unseren Heukartoffeln und der Permakultur im Garten: vorhandenes Material ausprobieren und später sinnvoll weiternutzen. Dass der Pflanzplatz gegen Ende etwas schief dasteht, darf bei so einem Gartenversuch ruhig dazugehören.

Fachquellen zu den ergänzten Hinweisen: Oregon State University: Strohballen vorbereiten und pflegen · North Carolina State University: Herbizidrückstände in Heu, Stroh und Kompost · Royal Horticultural Society: Kürbisse pflanzen und ernten

Nach einem Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen über den Versuch von 2016. Für Last Farm überarbeitet und um gekennzeichnete Anbauhinweise ergänzt.

L
VonLisa Haidorf

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