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  3. Engerlinge im Garten: Schäden erkennen und richtig handeln
EngerlingeMaikäferEngerlinge bekämpfenGartenschädlingeBodenlebenSelbstversorgungParadies am Lusen

Engerlinge im Garten: Schäden erkennen und richtig handeln

Welkende Pflanzen trotz Gießen? So erkennst du mögliche Engerlingsschäden und findest heraus, was sinnvoll ist – mit unseren Erfahrungen vom Paradies am Lusen.

Von Lisa Haidorf24.10.2022Aktualisiert: 14.10.20268 Min. Lesezeit
Maikäfer, dessen Larven als Engerlinge mehrere Jahre im Boden leben
In diesem Artikel
  1. 01Engerlingsschäden erkennen: Wenn Gießen nicht mehr hilft
  2. 02Maikäfer oder Rosenkäfer? Engerlinge unterscheiden
  3. 032019: Wurzellose Erdbeeren, kaputte Wiesen und zu wenig Heu
  4. 042021 und 2022: Maikäferflug und die nächste Erdbeerenttäuschung
  5. 05Was hilft gegen Engerlinge im Garten?
  6. 06Warum Bodenbearbeitung und Hühner bei uns keine einfache Lösung waren
In diesem Artikel
  1. 01Engerlingsschäden erkennen: Wenn Gießen nicht mehr hilft
  2. 02Maikäfer oder Rosenkäfer? Engerlinge unterscheiden
  3. 032019: Wurzellose Erdbeeren, kaputte Wiesen und zu wenig Heu
  4. 042021 und 2022: Maikäferflug und die nächste Erdbeerenttäuschung
  5. 05Was hilft gegen Engerlinge im Garten?
  6. 06Warum Bodenbearbeitung und Hühner bei uns keine einfache Lösung waren

Die Erdbeeren hängen schlapp im Beet, obwohl du gegossen hast. Also noch eine Kanne Wasser? Auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen dachten wir anfangs auch zuerst an Trockenheit. Bis sich die Pflanzen fast ohne Widerstand herausziehen ließen. Von den Wurzeln war kaum noch etwas übrig.

Zwischen 2019 und 2022 richteten Engerlinge bei uns erhebliche Schäden an. Aus einem Problem im Gemüsebeet wurde eines auf den Wiesen und schließlich bei der Futterversorgung unserer Schafe. Trotzdem gehört nicht jede dicke weiße Larve auf die Liste der Gartenschädlinge. Einige Engerlinge fressen lebende Wurzeln, andere helfen beim Zersetzen von Pflanzenresten. Hier geht es darum, den Unterschied zu erkennen und bei Schäden nicht einfach auf Verdacht loszulegen.

Engerlingsschäden erkennen: Wenn Gießen nicht mehr hilft

Wurzelfraß bleibt zunächst unsichtbar. Oben wächst eine Pflanze schlecht oder welkt, unten fehlen ihr bereits Teile des Wurzelsystems. Besonders auffällig wird es, wenn mehrere Pflanzen trotz feuchter Erde abbauen oder sich ungewöhnlich leicht herausziehen lassen. Im Rasen und auf Wiesen können braune Flecken entstehen. Bei starkem Fraß verliert die Grasnarbe, also die zusammenhängende Schicht aus Gräsern und ihren Wurzeln, den Halt im Boden.

Das passt zu Engerlingsschäden, beweist sie aber noch nicht. Trockenheit, Wühlmäuse oder Wurzelfäule können ähnliche Probleme verursachen. Bevor du irgendetwas zur Bekämpfung kaufst, würde ich deshalb so vorgehen:

  1. Eine betroffene Stelle untersuchen: Lockere vorsichtig etwas Erde am Wurzelbereich einer bereits stark geschädigten Pflanze. Schau nach, ob Wurzeln fehlen und ob Larven dazwischen sitzen.
  2. Mehrere Stellen vergleichen: Eine einzelne Larve erklärt nicht automatisch das ganze Beet. Prüfe weitere geschädigte Bereiche und zum Vergleich eine unauffällige Stelle.
  3. Funde festhalten: Fotografiere Pflanze, Wurzeln und Larven und notiere Fundort und Datum. Das erleichtert die anschließende Bestimmung.

Wie tief die Larven sitzen, hängt von Art, Jahreszeit und Entwicklungsstadium ab. Fressende Maikäferlarven können recht nah unter der Grasnarbe liegen; bei Kälte ziehen sie sich tiefer zurück. Einmal oberflächlich zu kratzen und nichts zu finden, gibt deshalb noch keine Entwarnung.

Maikäfer oder Rosenkäfer? Engerlinge unterscheiden

Engerling ist der Name für die Larven verschiedener Käfer, keine einzelne Art. Typisch sind ein heller, häufig C-förmig gekrümmter Körper, ein dunklerer Kopf und Beine im vorderen Körperbereich. Im Garten können dir unter anderem diese Larven begegnen:

KäferartWas die Larven im Garten machen
FeldmaikäferKönnen durch Wurzelfraß große Schäden an Pflanzen und Grünland verursachen.
JunikäferFressen ebenfalls Pflanzenwurzeln; ihre Entwicklung unterscheidet sich vom Maikäfer.
GartenlaubkäferKönnen besonders unter Rasen durch Wurzelfraß auffallen.
RosenkäferVerwerten abgestorbenes organisches Material und sind häufig nützliche Bewohner des Komposts.

Der Fundort hilft bei der Einordnung, ersetzt aber keine sichere Bestimmung. Gerade im Kompost sind die weißen Larven oft keine Bedrohung für deine Pflanzen. Dort helfen Rosenkäferlarven beim Abbau. Der Goldglänzende Rosenkäfer ist in Deutschland besonders geschützt. Seine Larven lässt du in ihrem Lebensraum, statt sie zusammen mit vermeintlichen Schädlingen zu entfernen.

Größe und Farbe allein reichen bei ähnlich aussehenden Engerlingen nicht zuverlässig aus. Fachleute schauen unter anderem auf winzige Borsten und Dörnchen an der Unterseite des Hinterleibsendes. Das musst du nicht selbst unter der Lupe entschlüsseln. Bei deutlichen Schäden lohnt sich die Bestimmung durch eine fachkundige Garten- oder Pflanzenschutzberatung, bevor du eine größere Maßnahme planst.

2019: Wurzellose Erdbeeren, kaputte Wiesen und zu wenig Heu

2019 sah auf dem Hof zunächst vieles nach einem trockenen Sommer aus. Die Wiesen wurden braun, und auch die Erdbeeren litten trotz regelmäßigem Gießen. Bei der Ernte zeigte sich dann, dass manche Pflanzen fast keine Wurzeln mehr hatten. Rund 100 Erdbeerpflanzen gingen damals verloren.

Wir gruben nach und fanden auf einem besonders stark betroffenen Quadratmeter in ungefähr zehn Zentimetern Tiefe rund 120 dicke weiße Engerlinge. Das war eine Zählung an dieser Stelle, kein Durchschnitt für den gesamten Garten. Zur fachlichen Einordnung: Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, kurz LfL, nennt für Maikäfer-Engerlinge im Grünland eine Schadschwelle von etwa 40 Tieren pro Quadratmeter. Oberhalb davon muss mit erheblichen Schäden gerechnet werden. Diese Zahl lässt sich nicht einfach auf jede Käferart oder jedes Gemüsebeet übertragen.

Es blieb nicht bei den Erdbeeren. Unter einzelnen Johannisbeersträuchern fanden wir mehr als 30 Larven im Wurzelbereich. Im Herbst kamen angefressene Kartoffeln, teilweise ausgehöhlter Sellerie, beschädigte Zwiebeln und Karotten dazu. Auch Lauch, Salat und Bohnen waren betroffen. Manches sah oberirdisch noch brauchbar aus, und erst bei der Ernte wurde sichtbar, was unten fehlte. Für einen Garten, der auch Lebensmittel für den Verkauf liefern sollte, war das bitter.

Auf einer Hangwiese verlor die Grasnarbe so viel Halt, dass sie sich fast wie ein loser Teppich verschob. Anderswo gruben Wildschweine und Dachse offenbar nach den Larven und beschädigten die Fläche zusätzlich. Normales Mähen war dort kaum noch möglich.

Damit wurde aus dem Gartenproblem ein Futterproblem: 37 Schafe mussten versorgt werden, doch unsere Wiesen lieferten nicht mehr genug. Heu wurde zugekauft, während auch in der Region Futter knapp war. Am Ende kam es sogar aus Kroatien. Die spätere Aufgabe der Schafhaltung hatte mehrere Gründe; die Engerlinge waren nicht allein dafür verantwortlich. Die Wiesenausfälle und der zusätzliche Futterbedarf machten diese Zeit aber deutlich schwieriger. Mehr dazu erzählen wir bei unseren Erfahrungen mit Zackelschafen.

2021 und 2022: Maikäferflug und die nächste Erdbeerenttäuschung

2021 wurde das Problem auch über der Erde kaum zu übersehen. Etwa zwei Wochen lang saßen Maikäfer in großen Mengen an den Johannisbeersträuchern. Von einem einzigen Strauch wurden teilweise mehr als 150 Käfer abgesammelt – und wir hatten ungefähr 20 Sträucher. Beim abendlichen Autofahren fühlte es sich stellenweise wie ein Hagelschauer an. Nur bestand der Hagel aus Käfern.

Im folgenden Jahr sollte eine neue Fläche mit ungefähr 1.000 Erdbeerpflanzen eine gute Ernte bringen. Die Pflanzen blühten schön, selbst die Spätfröste hatten kaum geschadet. Dann begann das bekannte Bild von vorn: Die Pflanzen bauten ab, und unter der Erde saßen wieder Engerlinge an den Wurzeln. Erneut gab es Ausfälle bei Erdbeeren und Honigbeeren. In besonders betroffenen Bereichen zählten wir ungefähr 140 Larven pro Quadratmeter.

Maikäfer verbringen mehrere Jahre als Larven im Boden. Mit ihrer Entwicklung verändert sich auch der Wurzelfraß. Die Abfolge aus starkem Käferflug 2021 und großen Schäden 2022 passt zur damaligen Einschätzung der LfL: Nach dem Flugjahr warnte sie im Bayerischen Wald ausdrücklich vor dem nächsten Hauptschadensjahr. Das erklärt einen möglichen Zusammenhang, bestimmt aber nicht nachträglich jede Larve auf unseren Flächen. Unsere Zählungen und Ernteausfälle bleiben Beobachtungen vom Hof, keine Artbestimmung oder wissenschaftliche Versuchsreihe.

Was hilft gegen Engerlinge im Garten?

Bei einzelnen nachweislich wurzelfressenden Engerlingen in einem kleinen Beet kann Absammeln beim Pflanzen oder vorsichtigen Nachgraben sinnvoll sein. Eine großflächig befallene Wiese lässt sich damit nicht sanieren. Entscheidend ist, wie viel Schaden entsteht, welche Art beteiligt ist und in welchem Entwicklungsstadium sie steckt.

Häufig werden Nematoden empfohlen. Das sind winzige Fadenwürmer; bestimmte Arten werden zur biologischen Bekämpfung von Käferlarven eingesetzt und mit Wasser ausgebracht. Geeignete Nematoden können etwa gegen Gartenlaubkäferlarven helfen. Daraus folgt aber nicht, dass dieselbe Behandlung bei jedem weißen Engerling funktioniert.

Beim Maikäfer ist die Bekämpfung deutlich schwieriger. Es gibt zwar auch dafür Nematodenangebote. Hersteller e-nema weist bei seinem entsprechenden Angebot selbst auf die schwierige Bekämpfung und die größere Empfindlichkeit junger Larven hin. Unter günstigen Bedingungen nennt er eine nur teilweise Wirkung. Das ist eine Herstellerangabe, keine Erfolgsgarantie für deinen Garten und kein eigener Versuch von uns.

Vor dem Einsatz müssen Zielart, Larvenstadium, Bodentemperatur, Feuchtigkeit und Anwendungszeit zum konkreten Verfahren passen. Halte dich an dessen Hinweise und lass dich bei unklarer Bestimmung beraten. Irgendeine Packung über den ganzen Garten zu gießen, wäre eher ein teurer Versuch als ein durchdachter Plan. Für große Schäden an Wiesen ist die regionale landwirtschaftliche Beratung der passendere Ansprechpartner als eine allgemeine Einkaufsliste.

Warum Bodenbearbeitung und Hühner bei uns keine einfache Lösung waren

Auf einer Wiese am Haus versuchten wir es mit mechanischer Bodenbearbeitung und anschließender Neueinsaat. Solche Eingriffe können Larven treffen, je nach Verfahren aber auch die bestehende Grasnarbe zerstören. Die neue Begrünung gehört dann fest zum Vorhaben und braucht passende Bedingungen.

Genau daran hakte es bei uns: Nach der Bearbeitung blieb der nötige Regen aus. Einen Teil des Saatguts fanden stattdessen die Vögel. Eine schöne Erfolgsgeschichte wurde daraus nicht. Aus dieser Erfahrung würde ich deshalb niemals den Rat machen: Engerlinge gefunden, einmal fräsen, fertig. Für ein intaktes kleines Gartenbeet wäre das ohnehin ein sehr großer Eingriff.

Unsere Hühner waren von den freigelegten Larven und abgesammelten Maikäfern deutlich begeisterter als wir. Was erreichbar war, wurde gern gefressen. Die meisten Larven saßen aber weiterhin im Boden. Die Hühner waren dankbare Abnehmer, keine Lösung für die geschädigten Wiesen.

Geblieben ist vor allem der genauere Blick auf Pflanzen, die trotz Gießen schlappmachen. Dafür musst du jetzt nicht bei jedem hängenden Blatt das Beet umgraben. Wenn sich Schäden häufen und Wurzeln fehlen, lohnt sich das Nachschauen aber frühzeitig. Und ein Fund im Kompost ist weiterhin etwas anderes als ein massiver Befall zwischen abgefressenen Wurzeln. Wer das Leben unter der Oberfläche besser kennenlernen möchte, findet bei den Regenwürmern im Garten auch die erfreulichere Seite der Bodenbewohner.

Fachlich nachlesen: NABU: Engerlinge im Garten unterscheiden · Bundesartenschutzverordnung: geschützte Arten · LfL: Monitoring 2021 und Einschätzung für 2022[1] · LfL: Engerlingsproblematik im Grünland[2].

Herstellerinformationen zu Nematoden: e-nema zu Gartenlaubkäferlarven und Maikäferlarven.

Nach einem Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen. Für Last Farm überarbeitet und um fachliche Hinweise ergänzt. Die Erlebnisse und Zählungen stammen aus den Jahren 2019 bis 2022.

Quellen (2)
  1. LfL: Monitoring 2021 und Einschätzung für 2022
  2. LfL: Engerlingsproblematik im Grünland
L
VonLisa Haidorf

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