Ein Marienkäfer krabbelt über die Hand, breitet seine Flügel aus und ist im nächsten Moment verschwunden. Solche kleinen Begegnungen gehören zum Garten einfach dazu. Auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen waren die Käfer zwischen Gemüse, Stauden und Obststräuchern gern gesehene Gäste – vor allem dort, wo Blattläuse an den Pflanzen saßen.
Mindestens genauso willkommen sind ihre Larven. Die sehen allerdings ganz anders aus als die runden Käfer und werden deshalb manchmal für Schädlinge gehalten. Wer Marienkäfer im Garten unterstützen möchte, sollte sie also zuerst erkennen können. Danach ist oft weniger zu tun, als man denkt.
Warum Marienkäfer im Garten so wertvoll sind
Viele Marienkäferarten fressen Blattläuse und andere kleine Pflanzensauger. Beim bekannten Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) stehen Blattläuse sowohl bei den erwachsenen Käfern als auch bei den Larven auf dem Speiseplan. Deshalb findest du sie häufig an befallenen Rosen, jungen Bohnen oder den frischen Trieben von Obstgehölzen. Sie sitzen dort normalerweise nicht, weil sie deine Pflanzen anfressen, sondern weil es Beute gibt.
Wie viele Blattläuse ein Marienkäfer frisst, hängt unter anderem von der Art, seinem Entwicklungsstadium, der Temperatur und dem Nahrungsangebot ab. Für deinen Garten ist eine Rekordzahl aber weniger wichtig als die Frage, ob bereits natürliche Gegenspieler unterwegs sind. Neben Marienkäfern helfen beispielsweise auch Schwebfliegenlarven, Florfliegenlarven und Schlupfwespen dabei, Blattlausbestände zu begrenzen.
Ein paar Blattläuse sind deshalb noch kein Grund, sofort zu spritzen. Schau zuerst an die Triebspitzen und unter die Blätter: Sind dort schon Larven unterwegs? Bei überschaubarem Befall lohnt sich häufig etwas Beobachtung. Wird eine junge oder empfindliche Pflanze dagegen stark geschwächt, kannst du Blattläuse gezielt abstreifen oder mit Wasser abspülen. Achte dabei auf vorhandene Nützlinge. Breit wirkende Insektizide können auch die Tiere treffen, die dir gerade helfen.
Viele Ameisen an einer Pflanze sind übrigens ein guter Anlass, genauer hinzusehen. Sie interessieren sich für den süßen Honigtau der Blattläuse. Manche verteidigen die Kolonien sogar gegen Fressfeinde – auch gegen Marienkäferlarven.
Marienkäfer und ihre Larven erkennen
Beim Wort Marienkäfer denken die meisten an einen roten Käfer mit sieben schwarzen Punkten. Die Familie ist aber deutlich vielfältiger: Es gibt gelbe, orangefarbene und schwarze Arten sowie Tiere mit vielen, wenigen oder kaum erkennbaren Flecken. Die Punkte verraten nicht das Alter. Ihre Zahl und Anordnung gehören zur Art beziehungsweise zur jeweiligen Zeichnungsform. Ein Siebenpunkt ist also nicht sieben Jahre alt.
Auch die Ernährung unterscheidet sich. Während Siebenpunkt und Zweipunkt bekannte Blattlausjäger sind, ernährt sich der gelbe 22-Punkt-Marienkäfer von Mehltaupilzen. Andere Arten fressen beispielsweise Milben; wenige Vertreter leben von Pflanzen. Ein ungewöhnlich gefärbter Marienkäfer ist deshalb nicht automatisch ein Schädling, aber eben auch nicht automatisch ein Blattlausjäger.
Besonders wichtig ist der Blick auf die Larven. Die Larve des Siebenpunkts ist länglich, blaugrau bis dunkel gefärbt und gelblich-orange gezeichnet. Sie hat sechs Beine und wirkt mit ihrer strukturierten Oberfläche beinahe wie ein winziges gepanzertes Tier. Mit dem späteren runden Käfer hat sie auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Findest du so ein Tier zwischen Blattläusen, solltest du es nicht vorschnell absammeln.
Ein Marienkäfer durchläuft vier Entwicklungsstadien. Je nachdem, wann du eine Pflanze anschaust, kannst du deshalb sehr unterschiedliche Formen entdecken:
| Entwicklungsstadium | Woran du es erkennen kannst |
|---|
| Ei | Kleine, längliche, meist gelbliche bis orange Eier in Gruppen, häufig auf Blattunterseiten oder nahe einer Blattlauskolonie. |
| Larve | Bei häufigen Blattlausjägern länglich, dunkel und auffällig gezeichnet. Sie bewegt sich auf der Pflanze, frisst und häutet sich während des Wachstums mehrmals. |
| Puppe | Ein unbewegliches Gebilde, das an einem Blatt oder einem anderen Pflanzenteil befestigt ist. Hier findet die Verwandlung zum Käfer statt. |
| Käfer | Nach dem Schlupf noch nicht vollständig ausgefärbt. Die Flügeldecken härten aus und nehmen nach und nach ihre endgültige Färbung an. |
Die Merkmale sind eine Orientierung, keine sichere Bestimmung jeder Art. Nicht jedes gelbe Eigelege stammt von einem Marienkäfer und nicht jede dunkle Larve gehört dazu. Im Zweifel helfen ein gutes Foto und ein Bestimmungsschlüssel. Besonders bei Puppen lohnt sich Zurückhaltung: Dass sich etwas nicht bewegt, heißt nicht, dass es entfernt werden muss.
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