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  3. Regenwürmer im Garten: den Boden verstehen und Würmer fördern
RegenwürmerBodenlebenBoden verbessernMulchenGemüsegartenParadies am Lusen

Regenwürmer im Garten: den Boden verstehen und Würmer fördern

Regenwürmer helfen deinem Gartenboden auf die Sprünge. Warum sie nützlich sind und wie du sie mit Mulch, Kompost und weniger Umgraben unterstützt.

Von Lisa Haidorf09.06.2023Aktualisiert: 14.10.20268 Min. Lesezeit
Regenwurm auf feuchtem, bewachsenem Gartenboden als Zeichen für aktives Bodenleben
In diesem Artikel
  1. 01Warum Regenwürmer deinem Gartenboden guttun
  2. 02Was Regenwürmer fressen und wo sie leben
  3. 03Regenwürmer fördern: mit Mulch, Laub und Kompost
  4. 04Den Boden schonen statt jedes Jahr komplett umdrehen
  5. 05Keine Regenwürmer im Beet: Kaufen oder erst genauer hinschauen?
  6. 06Regenwürmer auf Wegen und beim Graben schützen
In diesem Artikel
  1. 01Warum Regenwürmer deinem Gartenboden guttun
  2. 02Was Regenwürmer fressen und wo sie leben
  3. 03Regenwürmer fördern: mit Mulch, Laub und Kompost
  4. 04Den Boden schonen statt jedes Jahr komplett umdrehen
  5. 05Keine Regenwürmer im Beet: Kaufen oder erst genauer hinschauen?
  6. 06Regenwürmer auf Wegen und beim Graben schützen

Wenn du im Garten eine Mulchschicht anhebst und darunter ein paar Regenwürmer verschwinden, ist das meistens ein gutes Zeichen. Die Tiere machen nicht viel Aufhebens um sich, leisten unter der Erde aber eine ganze Menge. Auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen gehörten sie deshalb zu den Gartenbewohnern, über die man sich freute.

Für einen regenwurmfreundlichen Garten brauchst du weder Spezialfutter noch eine Kiste voller gekaufter Würmer. Interessanter ist, was du mit deinem Boden machst. Bleibt etwas Laub liegen? Ist die Erde bedeckt? Wird das Beet ständig umgegraben? Genau an solchen alltäglichen Dingen kannst du ansetzen.

Warum Regenwürmer deinem Gartenboden guttun

Regenwürmer graben Gänge, durch die Luft und Wasser in den Boden gelangen. Besonders tiefgrabende Arten wie der Tauwurm legen nahezu senkrechte Röhren an, die lange erhalten bleiben können. Bei Regen bieten sie dem Wasser Wege in tiefere Bodenschichten. Auch Pflanzenwurzeln können solche vorhandenen Gänge nutzen, statt sich allein durch feste Erde arbeiten zu müssen.

Beim Fressen mischen die Würmer abgestorbene Pflanzenreste mit mineralischer Erde. Was hinten wieder herauskommt, nennt man Regenwurmlosung – also schlicht Regenwurmkot. Diese kleinen Krümel enthalten verfügbare Nährstoffe und können ziemlich stabil sein. Sie tragen dazu bei, dass aus Erde nicht nur eine harte Masse oder feiner Staub wird, sondern ein Boden mit einer brauchbaren Krümelstruktur.

Regenwürmer verbessern damit den Boden, sie zaubern aber keine Nährstoffe aus dem Nichts. Ein stark verdichtetes Beet wird nicht allein durch ein paar Würmer locker, und auch die Versorgung deiner Pflanzen bleibt wichtig. Die Tiere sind ein Teil des Bodenlebens, zu dem beispielsweise Pilze, Bakterien, Milben und Springschwänze gehören. Zusammen halten sie den Abbau von Pflanzenresten und die Nährstoffkreisläufe in Gang.

Was Regenwürmer fressen und wo sie leben

Ein Regenwurm zieht ein Blatt in seine Röhre und knabbert es wie einen frischen Salat? Nicht ganz. Als Nahrung dienen vor allem abgestorbene Pflanzenreste, die bereits von Pilzen und Bakterien angegriffen wurden. Die leisten einen Teil der Vorarbeit. Laub, Erntereste und anderes organisches Material werden also nicht von einem einzelnen Tier, sondern von vielen Bodenbewohnern gemeinsam umgesetzt.

Dabei lebt nicht jede Regenwurmart gleich. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft unterscheidet drei Gruppen. Die Fachbegriffe musst du dir nicht merken; für den Garten ist vor allem interessant, wo die Tiere zu Hause sind.

GruppeLebensraumIhre Arbeit im Boden
StreubewohnerIn Laub und anderem organischen Material nahe der OberflächeVerarbeiten vor allem bereits vorzersetzte Pflanzenreste.
MineralbodenbewohnerIn den oberen und mittleren BodenschichtenGraben überwiegend seitwärts verlaufende Gänge und mischen die Erde.
TiefgräberIn dauerhaften, weit nach unten reichenden RöhrenZiehen Pflanzenreste von der Oberfläche in den Boden. Dazu gehört der Tauwurm.

Kompostwürmer wie Eisenia fetida sind ebenfalls Regenwürmer, haben aber andere Ansprüche als ein tiefgrabender Tauwurm. Sie brauchen viel verrottendes organisches Material und passen deshalb in geeignete Kompost- und Wurmkistensysteme. Ein normales Gemüsebeet bietet ihnen nicht automatisch denselben Lebensraum. Das ist wichtig, wenn du über das Kaufen und Aussetzen von Würmern nachdenkst.

Regenwürmer fördern: mit Mulch, Laub und Kompost

Ein guter Anfang ist, den Boden nicht dauerhaft nackt zu lassen. Eine Pflanzendecke oder eine passende Mulchschicht schützt ihn vor starker Austrocknung und liefert mit der Zeit Nahrung. Mulchen bedeutet hier einfach, die Erde mit organischem Material zu bedecken, etwa mit Laub, Heu oder angetrocknetem Rasenschnitt. Du musst dafür nicht erst etwas Besonderes kaufen.

Welches Material passt, hängt vom Platz und von den Pflanzen ab:

  • Unter Sträuchern und zwischen geeigneten Stauden kann gesundes Herbstlaub liegen bleiben. Den Rasen musst du deshalb nicht unter einer dicken Laubdecke verschwinden lassen.
  • Im Gemüsebeet lässt sich beispielsweise angetrockneter Rasenschnitt dünn verteilen. Lieber nachlegen, wenn er sich zersetzt hat, als einen dicken, nassen Haufen aufzutragen, der verklebt und fault.
  • Bei Aussaaten und kleinen Jungpflanzen bleiben Saatrillen und Pflanzen frei. Eine schützende Decke soll sie nicht gleich mit begraben.

Auf dem Paradies am Lusen spielte Mulch bei verschiedenen Anbauversuchen eine Rolle, unter anderem bei den Heukartoffeln. Das heißt aber nicht, dass eine dicke Mulchschicht überall die richtige Antwort ist. Bei sehr nassem Boden oder vielen Schnecken schaust du besser genauer hin und passt die Bedeckung an. Was den Würmern gefällt, finden Schnecken manchmal leider auch ganz gemütlich.

Reifer Kompost bringt ebenfalls organische Substanz und Nährstoffe ins Beet zurück. Wie viel davon sinnvoll ist, richtet sich nach deinem Boden und den angebauten Pflanzen, nicht nach der gewünschten Wurmzahl. Dasselbe gilt für gut verrotteten Mist: Organisch düngen heißt nicht unbegrenzt düngen. Spezielles Regenwurmfutter brauchst du im normalen Garten nicht.

Den Boden schonen statt jedes Jahr komplett umdrehen

Wenn dein Beet bereits eine gute Struktur hat, musst du es nicht jeden Herbst aus Gewohnheit auf links drehen. Häufiges, tiefes Umgraben stört den Lebensraum und zerstört vorhandene Röhren. Besonders für Arten, die dauerhaft in ihren Gängen leben, macht es einen Unterschied, wie oft der Boden bearbeitet wird.

Der Spaten ist deshalb nicht grundsätzlich verboten. Ein neues Beet anzulegen oder eine verdichtete Stelle zu lockern, kann notwendig sein. Soll die Erde nur etwas gelockert werden, kannst du eine Grabegabel einstechen und vorsichtig bewegen, ohne jede Scholle vollständig zu wenden. Auch damit lässt sich ein Wurm verletzen. Entscheidend ist also nicht das vermeintlich perfekte Werkzeug, sondern möglichst wenig unnötige Bearbeitung.

Feste Wege neben den Beeten helfen ebenfalls. So erreichst du deine Pflanzen, ohne bei jeder Ernte den Boden dazwischen festzutreten. Verdichtung erschwert nicht nur den Wurzeln das Wachstum, sondern verändert auch den Luft- und Wasserhaushalt. Gute Beetpflege beginnt manchmal schon damit, wo du deine Füße hinstellst.

Regenwürmer atmen über ihre feuchte Haut. Bei Trockenheit ziehen sich viele Arten tiefer zurück oder werden weniger aktiv. Halte den Boden deshalb möglichst vor extremer Austrocknung geschützt, ohne ihn ständig nass zu machen. Dauerhafte, sauerstoffarme Staunässe ist ebenfalls ungünstig. Im Winter brauchst du kein zusätzliches Futter auszulegen: Geeignete Bodenbedeckung kann bleiben, während die Tiere bei Kälte ihre Aktivität reduzieren.

Keine Regenwürmer im Beet: Kaufen oder erst genauer hinschauen?

Du findest beim Pflanzen kaum einen Wurm? Das heißt noch nicht, dass dein Boden kaputt ist. Bodenart, Feuchtigkeit, Temperatur und der pH-Wert – also wie sauer oder alkalisch die Erde ist – beeinflussen, welche Arten dort leben und wie aktiv sie gerade sind. Ein trockener Sandboden ist anders besiedelt als ein feuchter Lehmboden. Und mitten in einer Trockenphase siehst du möglicherweise weniger Tiere, obwohl sie weiter unten noch da sind.

„Ich habe heute nur drei Würmer gefunden“ ist noch keine Bodenanalyse. Schau lieber über längere Zeit, ob der Boden bedeckt ist, ob organisches Material nachgeliefert wird und wie intensiv du ihn bearbeitest. Vergleiche Beobachtungen möglichst unter ähnlichen Bedingungen. Nach zwei Wochen Mulchen muss noch keine auffällige Veränderung zu sehen sein.

Für ein gewöhnliches Gartenbeet würde ich deshalb zuerst die Lebensbedingungen verbessern, statt Würmer zu kaufen. Ein Eimer voller Tiere behebt weder fehlende Nahrung noch verdichtete oder ständig austrocknende Erde. Passen die Bedingungen und sind geeignete Arten vorhanden, können sie sich selbst vermehren. Für eine gezielt eingerichtete Wurmkiste ist das etwas anderes; dafür werden passende Kompostwürmer eingesetzt.

Auch ein nach unten offenes Hochbeet mit Bodenkontakt muss normalerweise nicht extra mit Würmern bestückt werden. Tiere können einwandern, wenn Zugang und Lebensraum passen. Ein vollständig geschlossener Pflanzbehälter hat dagegen andere Voraussetzungen. Und die Kompostwürmer aus deinem Haufen müssen nicht alle ins Gemüsebeet umziehen: Im Kompost machen sie bereits genau das, wofür ihre Lebensweise gut geeignet ist.

Regenwürmer auf Wegen und beim Graben schützen

Nach Regen liegen manchmal Würmer auf Pflaster oder Asphalt. Feuchtigkeit ermöglicht ihnen, sich an der Oberfläche zu bewegen, ohne so schnell auszutrocknen. Warum sie herauskommen, lässt sich allerdings nicht für jede Art und Situation mit einer einzigen Erklärung beantworten. Problematisch wird es vor allem, wenn die Fläche anschließend trocknet oder sich stark erwärmt.

Findest du dort einen Wurm, kannst du ihn vorsichtig auf feuchten, geschützten Boden direkt daneben setzen. Leg ihn nicht einfach von der warmen Straße auf die nächste sonnige Steinplatte. Dasselbe gilt beim Gärtnern: Einen freigelegten Wurm, der in voller Sonne liegt, kannst du wieder mit etwas lockerer Erde bedecken. Ein großes Rettungsprogramm braucht es dafür nicht.

Und weil sich das Gerücht hartnäckig hält: Aus einem durchgeschnittenen Regenwurm werden nicht zwei. Manche Verletzungen können überlebt werden, andere enden tödlich. Der abgetrennte hintere Teil wird nicht einfach zu einem zweiten vollständigen Tier. Beim Hacken und Graben lohnt sich deshalb etwas Aufmerksamkeit.

Die Vermehrung läuft anders: Regenwürmer sind Zwitter, besitzen also männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Normalerweise paaren sich trotzdem zwei Tiere und tauschen Samenzellen aus. Später entwickeln sich die Jungtiere in Kokons. Wie schnell das geht, hängt von der Art und den Bedingungen ab – nicht davon, wie oft der Spaten zum Einsatz kommt.

Du darfst dich über Regenwürmer freuen, ohne sie zählen oder jeden einzelnen bestimmen zu müssen. Ein bisschen Laub unter den Sträuchern und ein nicht blitzblank aufgeräumtes Beet können im Garten durchaus ihren Platz haben. Wer solche Zusammenhänge weiterdenken möchte, findet im Beitrag über Permakultur im Garten weitere Anregungen. Für heute darf der Spaten vielleicht einfach im Schuppen bleiben.

Fachlich nachlesen: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Lebensweise und Leistungen der Regenwürmer[1] · LfL: Lebensformen und Förderung[2] · Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Mulchen im Garten · NABU: Regenwürmer, Fortpflanzung und der Teilungsmythos

Nach einem Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen. Für Last Farm überarbeitet.

Quellen (2)
  1. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Lebensweise und Leistungen der Regenwürmer
  2. LfL: Lebensformen und Förderung
L
VonLisa Haidorf
Garten

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