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Zackelschafe. Eine besondere Schafrasse mit Charakter
Zackelschafe gehörten bis 2022 zur historischen Herde auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen. Was diese alte Schafrasse auszeichnet und warum sie trotzdem keine Tiere für nebenbei sind.
Von Lisa Haidorf5 Min. Lesezeit
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Schon auf den ersten Blick sind Zackelschafe etwas anderes als das Bild vom gemütlichen Wollschaf auf der Dorfwiese. Die langen, schraubenförmig gedrehten Hörner stehen V-förmig vom Kopf ab und geben den Tieren eine fast archaische Ausstrahlung. Kein Wunder, dass sie auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen, kurz PAL, viele Jahre lang sofort auffielen.
Die Herde gehörte zur Tierhaltung von Lisa und Rolf Haidorf und blieb bis 2022 Teil des Hofes. Wer verstehen will, warum damals ausgerechnet diese Rasse einzog, muss nicht lange suchen: Zackelschafe verbinden ein ungewöhnliches Erscheinungsbild mit Eigenschaften, die gut zu einem Selbstversorgerhof passten. Nur eines darf man bei aller Bewunderung nicht vergessen: Robust ist nicht gleich pflegeleicht.
Warum die Wahl auf Zackelschafe fiel
Nachdem die letzten drei Kühe den Hof verlassen hatten, stand fest, dass künftig Schafe in den Stall einziehen sollten. Gesucht war eine alte Rasse, die nicht wie das typische Standardschaf wirkte, sondern etwas Eigenes mitbrachte. Sie sollte zum Hofleben passen, Fleisch liefern können und vielleicht auch Milch.
Erst standen andere Rassen im Raum. Einmal ging der Blick zum Jakobsschaf, dann zum Soay-Schaf. Sogar Züchter wurden besucht. Beim Soay-Schaf scheiterte es schließlich ganz praktisch daran, dass die Nachzucht bereits lange im Voraus vergeben war. Dann tauchten eher zufällig die Zackelschafe auf. Die Entscheidung fiel schnell, weil diese Tiere genau das vereinten, was gesucht wurde: eine alte Rasse, ein unverwechselbares Aussehen und eine gewisse Ursprünglichkeit.
Auf dem Hof begann alles mit einer kleinen Gruppe aus wenigen Auen und einem Bock. Kurz darauf kamen noch zwei weiße Schafe dazu, die als Skudden übergeben wurden. Ob diese Einordnung wirklich stimmte, blieb damals allerdings offen, weil die Tiere dafür recht groß wirkten.
Woran man Zackelschafe sofort erkennt
Das Zackelschaf stammt aus Ungarn und ist ein mittelgroßes Schaf. Böcke erreichen etwa 65 bis 70 Zentimeter Höhe und um 70 Kilogramm Gewicht, Auen bleiben mit ungefähr 65 Zentimetern und rund 50 Kilogramm etwas kleiner. Wirklich unverwechselbar macht die Rasse aber etwas anderes: Beide Geschlechter tragen Hörner. Es sind keine Geweihe, sondern Hörner, die schraubenartig gedreht wachsen und bevorzugt V-förmig stehen. Beim Bock können sie beachtliche Längen erreichen, bei den Auen bleiben sie kürzer, aber ebenso markant.
Auf dem Hof gab es sowohl helle als auch dunkle Tiere. Bei schwarzen Zackelschafen sind Hörner und Klauen dunkel, bei weißen Tieren ist das Gehörn hell. Dazu kommt eine Mischwolle mit langer Grannendecke, die den Tieren ein raues, etwas urtümliches Erscheinungsbild verleiht und sie wetterfest macht. Historisch wurden Zackelschafe nicht nur wegen Wolle und Fleisch geschätzt, sondern teils auch wegen ihrer Milch.
So eindrucksvoll sie aussehen, so sensibel können sie sein. Zackelschafe gelten eher als scheu und reagieren auf Lärm und hektischen Umgang deutlich. Gerade deshalb passt zu ihnen keine grobe Behandlung, sondern Ruhe, Übersicht und ein fester, verlässlicher Ablauf.
Robust ja, anspruchslos nein
Die Mischung aus dichter Wolle, festen Klauen und guter Wetterhärte lässt Zackelschafe oft besonders unkompliziert wirken. Ganz so einfach ist es nicht. Auch eine robuste Rasse braucht sauberes Wasser, passendes Futter, einen sicheren Zaun, regelmäßige Klauenpflege und einen gesunden Bestand mit aufmerksamem Blick auf jedes einzelne Tier.
Merksatz für die Haltung: Robust heißt nicht, dass man weniger hinschauen muss. Es heißt nur, dass die Tiere mit Wind und Wetter oft besser zurechtkommen als manch andere Rasse.
Wichtig ist außerdem die Herdenhaltung. Zackelschafe sind keine Tiere für Einzelhaltung. Sie orientieren sich stark aneinander und bleiben mit ruhigem Umgang deutlich gelassener. Wer mit ihnen arbeitet, fährt mit Hektik und Lärm schlecht, mit Geduld dagegen deutlich besser.
Die Rasse bockt saisonal. Deshalb fallen Geburten oft in den Winter, häufig in den Januar oder Februar. Typisch ist eher ein einzelnes Lamm, das von der Mutter in der Regel gut angenommen wird. Auch hier gilt: Ruhe im Stall ist keine Nebensache, sondern hilft den Tieren spürbar.
Nie einzeln halten, sondern als Herde.
Ruhig und ohne unnötigen Stress arbeiten.
Wasser, Futter und Zaunsicherheit täglich im Blick behalten.
Klauen und allgemeinen Gesundheitszustand regelmäßig kontrollieren.
Vom kleinen Anfang zur Herde
Aus dem kleinen Startbestand wurde auf dem Hof recht bald eine richtige Herde. Drei Jahre nach den ersten Tieren standen bereits acht Auen im Stall, und für 2013 war geplant, noch einmal drei Zackelschafe dazuzukaufen. 2014 waren es dann zehn Auen, dazu kam ein neuer Bock aus ungarischer Linie und insgesamt liefen 15 Jungtiere mit.
Auch der spätere Stand ist überliefert: Im Januar 2016 lebten zwölf Auen und ein Bock auf dem Hof. Damit war aus der ersten Idee längst ein fester Teil des Alltags geworden. Die Haltung und Zucht dieser historischen Herde endeten 2022, geblieben ist aber die Erinnerung an eine Schafrasse, die man nicht so schnell verwechselt.
Zum Hofalltag gehörten damals nicht nur Schafe. Im Garten machten gelegentlich auch Engerlinge Ärger, und für das Federvieh entstand mit der Zeit sogar ein eigener Hühnerstall.
Ein Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen. Für Last Farm überarbeitet.
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