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  3. Regional einkaufen: Was Herkunft und Etikett wirklich verraten
Regional einkaufenLebensmittelkennzeichnungHerkunft LebensmittelSaisonale ErnährungSelbstversorgungParadies am Lusen

Regional einkaufen: Was Herkunft und Etikett wirklich verraten

Auf der Packung stand groß Deutschland, die Zwiebeln kamen aber aus Australien. Ein alter Einkauf vom Paradies am Lusen zeigt ziemlich gut, warum sich bei regionalen Lebensmitteln ein zweiter Blick aufs Etikett lohnt.

Von Lisa Haidorf30.03.2015Aktualisiert: 21.09.20266 Min. Lesezeit
Braune Zwiebeln als Beispiel für Herkunftsangaben und regionalen Lebensmitteleinkauf
In diesem Artikel
  1. 01Abgepackt in Deutschland heißt nicht aus Deutschland
  2. 02Auch „regional“ bedeutet nicht automatisch das, was man denkt
  3. 03Warum kommen selbst Zwiebeln von so weit her?
  4. 04Regional und saisonal gehören oft zusammen
  5. 05Welche Lebensmittel eignen sich besonders für regionalen Einkauf?
  6. 06Wo findest du wirklich regionale Lebensmittel?
  7. 07Ein Blick aufs Etikett dauert nur ein paar Sekunden
  8. 08Regional einkaufen heißt nicht, alles Importierte schlecht zu finden
  9. 09Der kürzeste Weg führt manchmal in den eigenen Garten
  10. 10Unser Fazit: Nicht perfekt einkaufen, sondern genauer hinschauen
In diesem Artikel
  1. 01Abgepackt in Deutschland heißt nicht aus Deutschland
  2. 02Auch „regional“ bedeutet nicht automatisch das, was man denkt
  3. 03Warum kommen selbst Zwiebeln von so weit her?
  4. 04Regional und saisonal gehören oft zusammen
  5. 05Welche Lebensmittel eignen sich besonders für regionalen Einkauf?
  6. 06Wo findest du wirklich regionale Lebensmittel?
  7. 07Ein Blick aufs Etikett dauert nur ein paar Sekunden
  8. 08Regional einkaufen heißt nicht, alles Importierte schlecht zu finden
  9. 09Der kürzeste Weg führt manchmal in den eigenen Garten
  10. 10Unser Fazit: Nicht perfekt einkaufen, sondern genauer hinschauen

Es waren einfach nur Zwiebeln. Schnell beim Einkaufen mitgenommen, in den Wagen gelegt und zu Hause wieder ausgepackt. Erst dort fiel auf, was im Supermarkt komplett untergegangen war.

Auf der Vorderseite der Packung sprang Deutschland ins Auge. Die Zwiebeln waren dort abgepackt worden. Das eigentliche Herkunftsland stand deutlich unscheinbarer auf der Rückseite: Australien.

Auf dem damaligen Familienhof Paradies am Lusen sorgte das nicht für eine große Grundsatzdiskussion, sondern erst einmal für Verwunderung. Gerade bei etwas so Alltäglichem wie Zwiebeln rechnet man schließlich nicht unbedingt damit, dass sie einmal um die halbe Welt gereist sein könnten.

Beim nächsten Einkauf wurde deshalb genauer hingeschaut. In einem anderen Geschäft kamen die angebotenen Zwiebeln aus Neuseeland.

Und plötzlich war aus einer unscheinbaren Packung eine ziemlich praktische Frage geworden: Wie erkennt man beim Einkaufen eigentlich, wo ein Lebensmittel wirklich herkommt?

Abgepackt in Deutschland heißt nicht aus Deutschland

Genau hier liegt eine der einfachsten Fallen beim schnellen Einkauf.

Auf einer Verpackung können mehrere Orte stehen. Der Sitz eines Unternehmens, eine Abfüll- oder Verpackungsstelle und das tatsächliche Herkunftsland müssen nicht identisch sein.

Bei frischem Obst und Gemüse ist das Ursprungsland grundsätzlich eine der entscheidenden Angaben. Dort wurde das Produkt angebaut beziehungsweise geerntet.

AngabeWas sie dir sagt
Ursprungsland / HerkunftWo das Obst oder Gemüse angebaut beziehungsweise geerntet wurde.
Abgepackt inWo die Ware sortiert, verpackt oder für den Verkauf vorbereitet wurde.
UnternehmensadresseWer das Produkt vermarktet beziehungsweise dafür verantwortlich ist. Sie sagt nicht automatisch etwas über den Anbauort aus.

Wenn du wissen möchtest, wo deine Zwiebeln, Kartoffeln oder Möhren tatsächlich herkommen, ist deshalb das Ursprungsland interessanter als die groß gedruckte Adresse auf der Vorderseite.

Auch „regional“ bedeutet nicht automatisch das, was man denkt

Noch etwas macht den Einkauf unnötig kompliziert: Begriffe wie „regional“, „aus der Region“, „Heimat“ oder „von hier“ klingen sehr eindeutig, sind es aber nicht unbedingt.

Was jemand als Region bezeichnet, kann ein Landkreis sein, ein Bundesland oder ein viel größeres Gebiet. Der Begriff „regional“ ist in Deutschland nicht einheitlich gesetzlich definiert.

Eine schöne Landschaft auf der Verpackung oder ein Markenname mit Ortsbezug sagt ebenfalls noch nicht, wo die Rohware gewachsen ist.

Wenn Regionalität für dich wichtig ist, sind konkrete Angaben deshalb wesentlich hilfreicher:

  • ein klar genanntes Ursprungsland
  • eine konkrete Region oder ein konkreter Erzeuger
  • nachvollziehbare Angaben im Regionalfenster
  • Direktkauf beim Erzeuger, wenn die Herkunft klar ist

Das ist weniger romantisch als ein großes „Heimat“-Logo, aber wesentlich aussagekräftiger.

Warum kommen selbst Zwiebeln von so weit her?

Auf den ersten Blick wirkt es absurd, Zwiebeln aus Australien oder Neuseeland in einem deutschen Supermarkt zu finden. Schließlich werden auch hier große Mengen angebaut.

Der Lebensmittelhandel funktioniert allerdings nicht ausschließlich nach Entfernung. Saison, Lagerbestände, Preise, Lieferverträge, gewünschte Größen und Qualitäten sowie die aktuelle Verfügbarkeit spielen ebenfalls eine Rolle.

Dazu kommt, dass die Jahreszeiten auf der Südhalbkugel verschoben sind. Wenn bei uns bestimmte Lagerbestände knapp werden, kann Ware aus anderen Anbaugebieten auf den europäischen Markt gelangen.

Das erklärt die Herkunft – bedeutet aber nicht, dass du sie automatisch kaufen musst.

Gerade bei gut lagerfähigen Kulturen wie Zwiebeln, Kartoffeln, Möhren oder Äpfeln lohnt sich häufig ein Blick darauf, ob daneben auch heimische beziehungsweise näher erzeugte Ware liegt.

Regional und saisonal gehören oft zusammen

Wer nur auf Kilometer schaut, macht sich die Sache allerdings ebenfalls zu einfach.

Regional einzukaufen funktioniert besonders gut, wenn du gleichzeitig ein bisschen auf die Saison achtest.

Eine Tomate aus der Umgebung klingt erst einmal wunderbar regional. Wenn sie mitten im Winter in einem stark beheizten Gewächshaus produziert wurde, ist die Umweltbilanz deshalb aber nicht automatisch besser als die einer Freilandtomate aus einer wärmeren Region.

Umgekehrt bedeutet Import nicht automatisch Flugzeug. Viele haltbare Lebensmittel und große Warenmengen werden per Schiff oder Lkw transportiert.

Deshalb gefällt mir eine einfache Reihenfolge besser als starre Regeln:

  1. Was hat gerade Saison?
  2. Gibt es das aus Deutschland oder meiner Region?
  3. Wenn nicht: Woher kommt die Alternative?
  4. Will ich das Produkt gerade wirklich oder kaufe ich es nur aus Gewohnheit?

Damit kommst du im Alltag oft weiter als mit dem Versuch, jeden Einkauf perfekt zu machen.

Welche Lebensmittel eignen sich besonders für regionalen Einkauf?

Bei manchen Produkten ist Regionalität vergleichsweise leicht umzusetzen, weil sie hier angebaut werden und sich teilweise lange lagern lassen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Kartoffeln
  • Zwiebeln
  • Karotten
  • Kohl
  • Äpfel
  • Rote Bete
  • viele Salate und Gemüsearten während ihrer Saison

Natürlich hängt das Angebot von deiner Region und der Jahreszeit ab. Genau deshalb ist ein Saisonkalender praktischer als eine starre Einkaufsliste.

Wo findest du wirklich regionale Lebensmittel?

Der Supermarkt ist längst nicht die einzige Möglichkeit.

Je nach Gegend findest du regionale Ware auch in:

  • Hofläden
  • Wochenmärkten
  • Direktvermarktungen
  • Gemüse-Abokisten
  • Selbstbedienungsständen und Verkaufsautomaten
  • kleinen regionalen Lebensmittelgeschäften

Allerdings gilt auch dort: Ein Hofladen verkauft nicht zwangsläufig ausschließlich Produkte vom eigenen Hof. Gerade bei zugekaufter Ware darf man ruhig fragen, woher sie stammt.

Das ist kein Misstrauen. Es ist einfach genau die Information, wegen der du dort einkaufst.

Ein Blick aufs Etikett dauert nur ein paar Sekunden

Seit der Sache mit den australischen Zwiebeln fiel der Blick beim Einkaufen automatisch häufiger auf die Rückseite.

Das verändert erstaunlich viel.

Du musst deshalb nicht anfangen, jedes Produkt zehn Minuten lang zu recherchieren. Bei Obst und Gemüse reichen im Alltag oft wenige Sekunden:

  • Woher kommt es?
  • Ist gerade Saison?
  • Gibt es daneben eine nähere Alternative?
  • Ist „Deutschland“ wirklich die Herkunft oder nur der Ort der Verpackung beziehungsweise des Unternehmens?

Mehr muss bewusster Einkauf manchmal gar nicht sein.

Regional einkaufen heißt nicht, alles Importierte schlecht zu finden

Mir wäre wichtig, aus dieser alten Zwiebelgeschichte keine Regel zu machen, nach der alles aus der Ferne automatisch schlecht und alles aus der Nähe automatisch gut ist.

So einfach funktioniert Landwirtschaft nicht.

Auch regional produzierte Lebensmittel können energieintensiv hergestellt, lange gelagert oder weit innerhalb einer großen „Region“ transportiert worden sein. Umgekehrt können Importprodukte sinnvoll und effizient transportiert werden oder bei uns schlicht nicht wachsen.

Kaffee, Kakao, Bananen oder Gewürze werden nicht plötzlich schlecht, nur weil sie nicht aus Niederbayern kommen.

Es geht eher darum, dort genauer hinzusehen, wo du tatsächlich eine Wahl hast.

Wenn im Regal zwei vergleichbare Zwiebelnetze liegen und eines davon aus der näheren Umgebung kommt, kannst du dich bewusst dafür entscheiden. Wenn es diese Alternative nicht gibt, ist das eben so.

Der kürzeste Weg führt manchmal in den eigenen Garten

Auf dem Paradies am Lusen war regionaler Einkauf natürlich nur ein Teil der Geschichte. Viel Gemüse kam direkt aus dem eigenen Garten.

Das funktioniert nicht für jeden und ersetzt auch bei einem großen Garten den Einkauf nicht vollständig. Aber selbst ein kleines Beet verändert ziemlich schnell den Blick auf Lebensmittel.

Plötzlich weißt du, wann Zucchini tatsächlich wachsen, wie lange Zwiebeln bis zur Ernte brauchen und warum im Februar keine frischen Gartentomaten vor der Haustür stehen.

Wenn du selbst ein bisschen anfangen möchtest, findest du dazu mehr in unseren Beiträgen über den Einstieg in die Selbstversorgung und darüber, wie du einen Gemüsegarten planen kannst.

Unser Fazit: Nicht perfekt einkaufen, sondern genauer hinschauen

Die Packung Zwiebeln aus Australien war kein Lebensmittelskandal. Sie war einfach ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie schnell unser Blick beim Einkaufen an der falschen Information hängen bleibt.

„Abgepackt in Deutschland“ und „aus Deutschland“ sind zwei völlig verschiedene Aussagen.

Wer regionaler einkaufen möchte, muss deshalb nicht jedes Produkt moralisch bewerten. Meist reicht eine deutlich einfachere Gewohnheit: Herkunft lesen, Saison mitdenken und dort die nähere Alternative nehmen, wo sie sinnvoll verfügbar ist.

Perfekt wird der Einkauf dadurch nicht.

Aber bewusster.

Zum Nachlesen: Verbraucherzentrale: Regionale Lebensmittel

Ein Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen. Für Last Farm überarbeitet.

L
VonLisa Haidorf

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