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  3. Gartenpavillon aus Holz: unsere ungewöhnliche Baugeschichte
GartenpavillonHolzpavillonHolzbauHolzschindelnGartenprojekteParadies am Lusen

Gartenpavillon aus Holz: unsere ungewöhnliche Baugeschichte

Ein geschützter Sitzplatz sollte es werden. Daraus entstand ein Holzpavillon mit 4.200 Schindeln – und einer Baugeschichte, die bei einer Komposttoilette beginnt.

Von Lisa Haidorf27.04.2016Aktualisiert: 14.10.20267 Min. Lesezeit
Außergewöhnlicher Gartenpavillon aus Holz mit geschwungenem Dach aus handgemachten Holzschindeln
In diesem Artikel
  1. 01Die Idee kam von einer Komposttoilette
  2. 02Der Rohbau: 1,2 Kilometer Dachlatten und eine Form im Kopf
  3. 034.200 Holzschindeln: Das Dach war ein eigenes Projekt
  4. 04Ein Treffpunkt, bevor alles fertig war
  5. 05Der erste Schnee und eine Dachlatte mit Astloch
In diesem Artikel
  1. 01Die Idee kam von einer Komposttoilette
  2. 02Der Rohbau: 1,2 Kilometer Dachlatten und eine Form im Kopf
  3. 034.200 Holzschindeln: Das Dach war ein eigenes Projekt
  4. 04Ein Treffpunkt, bevor alles fertig war
  5. 05Der erste Schnee und eine Dachlatte mit Astloch

Eigentlich wollten wir nur im Garten sitzen, ohne uns ständig beobachtet zu fühlen. Am Ende stand auf dem früheren Familienhof Paradies am Lusen ein hölzerner Pavillon, für den vorbeifahrende Autos langsamer wurden. Das mit dem unauffälligen Sitzplatz hatte sich damit wohl erledigt.

Dazwischen lagen eine ungewöhnliche Idee, viele helfende Hände und deutlich mehr Holzarbeit, als man dem fertigen Dach auf den ersten Blick ansieht. Hier erzählen wir, wie dieser fast geflochten wirkende Gartenpavillon entstand. Eine Baugeschichte zum Anschauen und Ideenholen, kein geprüfter Bauplan zum Nachbauen.

Die Idee kam von einer Komposttoilette

Bei einem Freund hatten wir eine Holzkonstruktion gesehen, deren geschwungene Form uns nicht mehr aus dem Kopf ging. Sie diente dort als Komposttoilette. Nicht unbedingt der erste Ort, an dem man nach Vorbildern für einen gemütlichen Sitzplatz sucht. Uns gefiel aber die Bauweise, und daraus entstand die Idee, etwas Ähnliches als Pavillon zu bauen.

Die Umsetzung übernahm unser Freund Peter. Klein wurde das Projekt nicht: Mit ungefähr acht Metern Durchmesser lag der Pavillon in einer ähnlichen Größenordnung wie unsere große Kräuterspirale. Zuerst steckten wir den Grundriss auf der Wiese ab, danach entstand die hölzerne Bodenplattform.

Damals waren wir im Verein Zeitwende e.V. aktiv. Aus der Baustelle wurde deshalb gleich ein Workshop, bei dem mehrere Leute mit anpackten. Solange nur der Boden und die ersten Holzteile zu sehen waren, kam immer wieder die Frage: Was baut ihr da eigentlich? Durchaus verständlich. Eine gewöhnliche Gartenlaube ließ sich darin jedenfalls noch nicht erkennen.

Der Rohbau: 1,2 Kilometer Dachlatten und eine Form im Kopf

Mit dem fertigen Boden begann der auffälligste Teil. Dachlatte für Dachlatte wuchs die Konstruktion nach oben, bis sie knapp fünf Meter Höhe erreichte. Insgesamt steckten ungefähr 1,2 Kilometer Dachlatten darin. Für einen Sitzplatz im Garten war das schon eine ordentliche Menge Holz.

Peter arbeitete nicht nach einem vollständig ausgearbeiteten Bauplan. Er hatte eine Vorstellung im Kopf und entwickelte die Form während des Bauens weiter. Von außen kamen gelegentlich Vorschläge: ein bisschen weiter nach links, dort vielleicht etwas stärker gebogen. Mit jeder Lage wurde deutlicher, wohin das Ganze führen sollte.

Der Eingang war keine rechteckige Öffnung in einer geraden Wand. Die Latten folgten der geschwungenen Form und ließen ihn daraus entstehen. Auch oben blieb es ungewöhnlich: Den Abschluss nannten wir auf der Baustelle halb im Scherz den „Kamin“. Von außen wirkte das Holz fast geflochten, innen liefen die Linien wie ein Strudel nach oben zusammen.

Weil der Pavillon nur ungefähr zehn Meter von der Straße entfernt stand, blieb das nicht unbemerkt. Vorbeifahrende wurden langsamer, und je höher die Konstruktion wuchs, desto weniger konnte man ihnen das verdenken. Je nach Blickwinkel sah das Holzgebilde schließlich wieder anders aus.

4.200 Holzschindeln: Das Dach war ein eigenes Projekt

Mit der Lattenkonstruktion stand die Form, aber noch kein fertiger Wetterschutz. Vor dem Winter musste das Dach geschlossen werden. Dafür waren Holzschindeln vorgesehen: viele einzelne kleine Holzstücke, die zusammen die Dachfläche bedeckten. Was nach dem letzten Arbeitsschritt klingt, wurde noch einmal ein ordentliches Stück Arbeit.

Die Schindeln wurden größtenteils von Hand hergestellt. Peter nutzte dafür freie Stunden, Freunde halfen mit, und zwischendurch wurde auch daraus wieder ein Workshop. Am Ende waren es ungefähr 4.200 Holzschindeln und 25 Kilogramm Nägel. Ein fertiger Stapel konnte da noch so schön aussehen – auf dem großen Dach war er schneller verschwunden, als einem lieb war.

Mit jeder neuen Reihe schloss sich die Dachfläche weiter. Erst jetzt kam die geschwungene Außenform richtig zur Geltung. Gleichzeitig lag ein großer Teil der Arbeit inzwischen weit über dem Boden. Peter brachte als Baumkletterer Erfahrung mit Arbeiten in der Höhe mit, und entsprechende Ausrüstung war vorhanden.

Zur Einordnung der Baustellenbilder: Erfahrung allein ersetzt keine passende Absturzsicherung. Wer Dacharbeiten plant, braucht sichere Zugänge und Arbeitsplätze. Die BG BAU beschreibt dafür unter anderem Gerüste und Arbeitsbühnen. Unsere alten Fotos sind keine Anleitung dafür, wie ein solcher Arbeitsplatz heute abgesichert werden sollte.

Ein Treffpunkt, bevor alles fertig war

Innen blieb es deutlich schlichter als außen. Paletten dienten als Sitzmöglichkeiten, Schaffelle kamen als Polster darauf. Für kalte und windige Tage wurde Sackleinen als zusätzlicher Windschutz angebracht. Es sollte kein perfekt eingerichtetes Gartenhaus werden, sondern ein Platz, an dem man zusammenrücken, reden und draußen sein konnte.

Das wurde auch ausprobiert, bevor die letzte Schindel saß. Ganz fertig war der Pavillon noch nicht, sitzen konnte man darin aber schon. Nach der ganzen Bauerei durfte der Ort schließlich langsam das tun, wofür er gedacht war.

Damals gehörte auch eine improvisierte Feuerstelle aus einem alten umgebauten Kessel dazu. Auf den Fotos ist sie zu sehen, und aus der Geschichte soll sie nicht nachträglich verschwinden. Als Nachbauidee würden wir sie aber nicht weitergeben. Feuer, Funken und Hitze in einer Holzkonstruktion brauchen eine fachlich geplante Lösung mit geeignetem Brandschutz und sicherer Abgasführung.

Ein ergänzender Sicherheitshinweis dazu: Bei ungeeigneten Feuerstätten können sich gefährliche Verbrennungsgase ansammeln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt beispielsweise ausdrücklich vor Holzkohlegrills in Innenräumen. Auch offene Fenster und Türen schützen dort nicht zuverlässig vor einer Kohlenmonoxidvergiftung. Eine Öffnung im Dach ist deshalb kein Ersatz für eine fachliche Beurteilung der Feuerstelle.

Der erste Schnee und eine Dachlatte mit Astloch

Dann kam der Winter, und auf dem Dach lag erstmals Schnee. Der Pavillon blieb stehen, ganz ohne Auffälligkeiten ging es allerdings nicht: Eine Dachlatte mit einem Astloch bog sich unter der Last deutlich durch. Sie brach nicht. Trotzdem gehört dieser Moment genauso zur Baugeschichte wie der schöne Blick nach oben durch die Holzspirale.

Ein überstandener Winter ist kein Nachweis für die Tragfähigkeit. Wer einen ähnlich großen oder ungewöhnlich geformten Holzpavillon bauen möchte, sollte die Statik fachlich planen lassen. Gemeint ist die Berechnung, ob Fundamente, Holzbauteile und Verbindungen die auftretenden Kräfte sicher aufnehmen können – einschließlich Wind und Schnee. Aus unseren Materialmengen und Fotos lässt sich das nicht ableiten.

Für uns blieb der Pavillon ein Einzelstück, an dem viele Menschen mitgearbeitet hatten. Die Idee kam von einer Komposttoilette, die Form entwickelte Peter beim Bauen weiter, und später saßen wir auf Paletten unter einem handgemachten Schindeldach. Das passte zu den anderen ungewöhnlichen Projekten auf dem Hof und zu unserer Freude am Wiederverwenden im Garten.

Mit den letzten Schneeresten konnte es schließlich draußen rund um den Pavillon weitergehen. Aus dem Wunsch nach einem geschützten Sitzplatz war ein auffälliger Treffpunkt geworden. Unauffällig war anders. Aber langweilig war er nun wirklich nicht.

Weitere 19 Fotos vom Bau und der ersten Nutzung ansehen

Vom Bodenaufbau über die geschwungenen Wände bis zu den Schindeln: Hier sind die weiteren Bilder des damaligen Projekts. Sie dokumentieren die Baustelle und ihre Nutzung, nicht eine geprüfte Bau- oder Sicherheitsanleitung.

Weiterführende Fachinformationen zu den ergänzenden Sicherheitshinweisen: BG BAU: Sichere Arbeitsplätze bei Zimmerer- und Dacharbeiten · BfR: Kohlenmonoxidgefahr beim Grillen in Innenräumen[1]. Diese Informationen bewerten nicht die damalige Konstruktion.

Nach einem Beitrag von Lisa Haidorf aus dem Paradies am Lusen. Für Last Farm überarbeitet und um Sicherheitshinweise ergänzt. Maße und Materialmengen stammen aus dem damaligen Baubericht.

Quellen (1)
  1. BfR: Kohlenmonoxidgefahr beim Grillen in Innenräumen
L
VonLisa Haidorf

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